Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 77% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827075--0444-2827546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
KUTZINSKl'DtE LÜHR&N BLÜHERS 35 li&e Gäfellfcfcäft, die ihr Dafetft deni tiiännfi&ein Eros veitfaäkf üncl fleh in den Männerbüttden auswirkt AVährend im FafniÖertfeböi^ die Sexualität offen erkennbar iß, wird fie bei der männlichen Q&> fellfchaft ins Unbewußte verdirängt Die männliche G^fellfdtäft wit& voti einer Menfdienart gefiützt; die Blüher den »typus iriv^rftis/ nennt. Um den letzteren zu ferfaflen, iß eine Kenntnis des Sefcuäl^ begriffs notwendig, wie ihn Blüher auffaßt Die Sexualität hat hier die: Fähigkeit, von ihrer gewohnten Richtung abzubiegen und dem? gleichen Gefchlecht zuzufireben. Die Schwierigkeit, dielen typus ihverfus zu erkennen, beruht darauf, daß die primitiven, unteilbaren Keime der Handlungen eines Mertfchen bewußtfeirt^pifähig find Icfi habe fdion angedeutet, daß diefe enge Anlehnung an Freüdfche Deutungen durch empirifche Tätfadben nicht ausreichend geßützt iß. Wie weit die Deutung hier geht, erläutere das von Blüher an^ geführte Beifpiel: wenn jemand fagt, das Verhältnis zwäfdheri ihm und feiner Schwefier fei nichts weiter als Pietät und Dankbarkeit, fo bleibt in diefem Verhältnis ein irrationaler Reß übrige etwas Triebhaftes,- diefes fei die Sexualität zwifchen den beiden. Man mag zugefiehen> daß im Pubertätsalter häufig dasTrieb* hafte fich auf die nädbße Umgebung des Reifenden erfireckt Man riiag ferner zugefiehen, daß auf Grund diefes Erlebniffes die fpätere Gattenwahl unter dem Einfluß diefer Erinnerung erfolgt. Es bleibt aber doch eine willkürliche Deutung, wenn man nun annimmt/ daß; in der Neigung zur Schwefier noch erotifche Refie irgendwelche aktive Rolle einnehmen. Eine Erweiterung des Sexualbegriffes führt zu dem Begriff der Erotik. Sie iß das fexüelle Erlebnis. Die mannigfachen Beziehungen Zwilchen Sexualität und Kultur, ihre pfychologilche Analyfe liegt außerhalb uriferes Intereffes. Als bedeutfam m hervorzuheben, daß die Verdrängung der Sexualität? nidht durch die Kultur verurfacht wird, fondefn umgekehrt diefe durch Verdrängung der Sexualität: eine Anlehnung an den Freudfihen Süblimierungsbegriff. * i. Aus diefer geifivollen, in plafiilcher Sprache entworfene» fexudlen Charakterologie, die, neben phäntafiifihen, fehr viele feinlinnige Be^* merkungen enthält, fei der »typus inversus« herausgehoben, weil er für Blühers Grundanfchautirigen über Staatenbildung von Be* deutung iß. Teilt man die Menfihen in hetero^ und homofexuelle, fo ergibt lieh ein ungeheures Mißverhältnis. Verzichtet man aber auf die körperliche Komponente der Triebrichtung und teilt die MenlHien in folche, die dem einen oder anderen Gelcnlecht »verfallen« find, fo bietet Geh ein anderes Bild. Blüher gibt eine fein differenzierte Ab* fiufung von der einen Reaktionsweife zur anderen. Dem einen Typus iß die Frau bedingungslofes Liebesobjekt. Der Mann bedeutet für ihn nichts. Den Zweiten beherrlcht fihon eine eigen* tümliche Skepfis gegen die Frau. Es iß, als ob die Frau nicht alles zur Entfaltung bringen könnte, -was in ihm fiedkt Der nädbße Typ wird fthon durch eine Verachtung des Weibes gekennzeichnet, ohne daß es zu einer Ablehnung der grobfinnlichen Beziehungen kommt.