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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 36

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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34 KU7ZINSKI DIE LEHREN BLÜHERS Weimars zufammenfetzt Die WandervogeUBewegung Iß die Empörung gegen die Dreffuf der Sdiule. Das zweite Moment, das zur Geburt des Wandervogels geführt hat, fieht Bf über in der moralißifihen Tendenz der Sdiule. Die Jugend befitzt kein Verfiänd* nis für Pflichtbegriffe. Den tragilchen und vielleicht doch natürlichen Abfdhluß der Wandervogel-Bewegung bildet die Rückkehr zu den alten phrase* -ologifchen idealen, gegen die einß die Jugend zu Felde gezogen war. Der Traum Blühers iß die ewig kämpfende Jugend, die fidi nicht von Idealen 4 befchwatzen läßt, die den Mut zur Empörung hat, zum Zerbrechen alter Werte. Der Wandervogel "birgt noch ein zweites bedeutungsvolles Problem: das Verhältnis der Jugend zum Führer. Wie iß pfychologifch die Heldenverehrung des Leiters zu deuten? Die innerfien Gründe liegen nach Blüher im Unbewußten. Das Un* bewußte definiert er als nichts Denkendes, fondern Triebartiges. Aus dem Triebartigen quillt die Heldenverehrung. Dem Kinde iß zu* nächß der Vater der unbezwingliche Held. Mit zunehmendem Alter leidet die Beziehung zum Vater, aber die Liebe bleibt. Diefe überträgt die heranwadifende Jugend auf die Führer. Die Tendenzf die WandervogeWBewegung aus dem Trieb* haften heraus zu erklären, führte zu der Erörterung erotifdier Phänomene. Hier gibt Blüher eine Definition des Sexualtriebes, die fich an die Theorien Freuds anlehnt. Das Gefchlechtliche be* ginnt etwa am Tage der Geburt, feine eigentliche Bedeutung «je* winnt es aber erß bei der Bildung fozialer Formen. In der Tatfache der Anziehung von Menfdi und Menfch erblickt Blüher bereits ein fexuelles Phänomen. Die von Blüher mitgeteilten Tatfachen der WandervogeWBewegung legen es nahe, daß auch hier erotifche Tendenzen eine wirkfame Rolle gefpielt haben. Es iß überdies aus eigenßer Erfahrung jedem bekannt, bis zu welcher körperlichen Verzückung Freundfchaften und Heldenverehrung im Pubertätsalter fich ßeigern können. Das beruht einmal auf der gefieigerten Affektivität der kindlichen Seele, fodann auf der Tendenz des Reifenden, die werdende Sexualität, die nodi keine Betätigung findet, irgendwie zum Abreagieren zu bringen. Nach vollendeter Reifung kommen diefe erotifchen Überlagerungen zum Abklingen. Was dann noch übrig bleibt in den Beziehungen Gleichgefchlechtlicher, kann man als »Eros« bezeichnen, wenn man diefen Begriff erweitern und mit ihm das Triebhafte in den mann^männlichen Beziehungen diarakterifieren will. Die Frage der Wertung der Gleidhgefdilechtlichen für Kultur und Gefellfchaft findet eine fchärfere Formulierung und Vertiefung in feinem Werk »Die Rolle der Erotik in der männlichen Gefellfchaft«. Nach der Ablehnung der ökonomifdien und der geißigen Er* klärung der Staatenbildung ßellt Blüher die Thefe auf, daß di^ letzte Begründung für die Staathaftigkeit des Menfchengefchlechts in feinem Eros zu fuchen iß. Außer dem Gefellungsprinzip der Familie wirkt im Menfchengefdilecht noch ein Zweites: die männ*

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