Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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30 KROJANKER, DER HAPOEL MAZATR Spekulation Uitd unverdienter Wertzuwachs durch diefe Maßnahmen: verhindert Icheinen, bleibt doch das Problem der Grundrente/ an der jeder Sözialifi den ftärkfien Anfioß nimmt, auch nach der Nationalifierung ungefihmälert fiehen. Und es ifi natürlich garnidits gefagt, wenn man beiläufig von einer Grundfentenfteuer redet, da dann gerechte Veranlagung fo gut wie unmöglich ift. Die bedeutsamste Rolle in der Ideologie des Hapoel hazair fpielt jedoch der Begriff der Arbeit. Infolgedeflen zeugen denn auch alle Auslegungen zu diefem Punkt von einer ganz befonderen Unklarheit und Begriffsverwirrung, Faft jedesmal, wenn von der Arbeit und ihren Segnungen die Rede ift, wird etwas anderes darunter verftanden, fo daß nur der philoiogifch Geübte mittels Textvergleichung und Konjekturen eine gewilfe Entwirrung vorzunehmen vermag, die aber auch dann noch nur als Beitrag zu einem Verfuch einer Begriffsbeßimmung zu bewerten fein wird. Hauptforderung iß die Rückkehr zur produktiven Arbeit. Was heißt das? Mitunter nichts weiter, als daß ein im wefentlichen aus Vermittlern auf geißigem und materiellem Gebiete beßehendes Volk der Arbeit am Grund und Boden und damit einer gefamterr Berufsfchichtung wiedergegeben werden foll. Aber das ift fchließlich nichts weiter als eine mit neuem Pathos vorgetragene Wiederholung der ältefien und entfiheidend bewegenden Idee des Zionismus. Hiermit verquickt wird nun die <davon aber begrifflich zu trennende) Forderung, daß diefes dem Boden wiedergegebene Volk in feinem neuen Lande für eine möglichfi weitgehende Äusfchaltung jeder unproduktiven vermittelnden Tätigkeit Sorge trage. Man wird auch hierin dem Hapoel hazair beifiimmen, obgleich lieh leicht ein Streit darüber erheben könnte, wie weit etwa der in Raum und Zeil* vermittelnde Handel als unproduktiv anzufehen und tatfächlich zu entbehren ift. Eine dritte in diefem Zufammenhang erhobene Forderung ifi die der jüdifchen Landarbeit im Gegenfatz zur arabifthen. Es iß zweifellos ein Verdienfi des Hapoel hazair, mit allem Nadidruck darauf hingewiefen zu haben, daß ein Volk von landwirtfchaftlithen Unternehmern, gefetzt über ein Volk fremdftämmiger Arbeiter, niemals zur Schaffung einer eigenen bodenwüchfigen Kultur imftande fein würde, ganz abgefehen von den fonfiigen Folgen einer fozialen Struktur diefer Art. Diefer Gedanke aber hat im Hapoel hazair eine Weiterentwicklung erfahren, die nicht mehr begrifflich, fondern nur aus den Tatfachen felber zu erklären ifi. Der Erkenntnis nämlich von der unerläßlichen Notwendigkeit der jüdifchen Landarbeit fteht die Tatfache gegenüber, daß wir einen Landarbeiterfiand nicht haben. Unfere Menfchen kommen aus anderen Sphären. Und nur die Glut des Geifies, die Kraft des nationalen Willens kann Ge zu einer Arbeit führen, die ihrer ganzen bisherigen Einßellung entgegengesetzt iß. Und fo gewiß der Geiß hier gegen die Materie fieht, fo gewiß hat doch eben diefe Materie lieh wieder eine Ideologie gelchaffen, die ohne fie kaum verfiändlich ifi. Das harte Los der niemals geübten rohefien Landarbeit auf lieh nehmen zu können, dazu bedurfte es