Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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28 KROJANKER, DER HAPPEL HAZAIR Für den Volksfoziafismus alfo handelt es fich darum, möglidift das 5anze Volk in jenem foztalen Gefße zu erziehen, der dann den Aufbau eines fozialifiifchen Paläßina und eine ebenfofche Geftaltung des Wirtfchaftelebens in der Diaspora, fo weit wir es autonom regeln können, auf friedliche Weife ermöglicht. Ein hoher fittlidier Standpunkt liegt diefer Argumentation zu Grunde, Nur fürchte ich, daß der Hapoel hazair genötigt fein wird, fegen fein eigenes Gefetz zu verfioßen. Denn die Trägheit der ierzen iß groß, aber der Grundßein für die künftige Geßaftung: unferes fozialen Lebens in Paläßina wird jetzt gelegt. Es dürfte fich alfo als notwendig erweifen, den Hauptkampf, den entscheidenden, bereits jetzt zu führen, wo jene Umgeßattung der Gelinnung, die unumgängliche Vorausfetzung fein folfte, noch kaum in Angriff ge* nommen iß. Und auf das dann erzielte Refultat dürften alle die Einwände zutreffen, die Strauß gegen den im Kampfe der Parteien erreichten Sozialismus geltend macht. Unter diefen Umßänden und bei folchen Anfchauuhgen trotzdem bereits jetzt völlige Ver* gefeflfchaftung der Produktionsmittel zu verlangen und jeden Korn* promiß mit der kapitalifiifchen Gefellfchaftsordnung ßrikt abzulehnen, erfdieint mir einigermaßen inkonfequent. Bei folchen Anfchauungen dürfte man auch die Warnung vor fozialifiifchen Experimenten nicht fo obenhin <mehr blendend als überzeugend) abfertigen, wie Strauß es tut. Er fireift ia doch in feinen Darlegungen hart die Grenze, wo man dahin Kommt, für die Unzulänglichkeit unterer Zufiände nicht die Formen des Wirtfdiaftslebens, fondern ausfchließ* lieh die Natur der Menfchen verantwortlich zu machen, wo man dann aber, um nicht zu verzweifeln, feine ganze Hoffnung auf die Veränderlichkeit diefer Natur fetzt. Man kann darin optimifiifch oder peflimißifch denken. Aber auch der weitefigehende Optimismus wird diefe Umgefialtung kaum von heute auf morgen erwarten dürfen. Immerhin iß das Programm fo weit —' in feiner Gegenüber* ftellung von marxifiifchem Klaffenfozialismus und Volksfozialismus — klar und verßändlich. Die geifiige Grundlage iß gelegt, und es käme jetzt »nur noch« auf den Bau an, der auf ihr zu errichten iß. Merkwürdigerweife wird . der große Strom der Beredfamkeit, durch den Geh die Sozialißen unterer Kreife in ihren mündlichen wie ihren fchriftlichen Kundgebungen auszeichnen, zu einem dürftigen Wäfferlein, wenn die praktilchen Fragen, in denen fich doch fchließlich der Sozialismus auszuwirken hat/ zur Debatte ßehen. Meißens will man »in diefem Zufammenhang« auf die Einzelheiten nicht weiter eingehen. Und es iß mir bisher noch nicht gelungen, fefizußellen, in welchem Zufammenhang diefe doch immerhin nicht ganz belang* loten Dinge in unfern fozialifiitdhen Kreifen eigentlich behandelt werden. Auch die »Arbeit« — vor mir liegt Heft 1 bis 3 — erweift fich hier von einer Kargheit und Zurückhaltung, die ihrem Wefen fonß nicht eignet. Das iß aufrichtig zu bedauern. Denn ich habe immer den Eindruck, daß die Differenz zwifchen unteren Sozialißen und den fogenannten »Bourgeois«, die fich im Bereich