Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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KRQJANKER, DER HAPOEL HAZAIR 17 urfprünglkh zioniftifchen überwuchern, und wenn man auf diefe Weife vergißt, daß —' wie Thon es einmal genannt hat <~ nicht Pafäftina in Zion, fondern Zion in Palältina gelegen ift. — * * * Die neue Zeitfd^rift der volksfozialiftifchen Partei Hapoel hazair, »Die Arbeit« genannt, ift folch ein Zwitter aus fremden und eigenen Ideen, aus Weibenden Gedanken und einem Wuft von Projekten, aus unverrückbar zionißifchen Grundakkorden und dem Hereinklingen von allerhand Obertönen, die manchmal die Melodie verderben. Wer dem Kreis des Hapoel hazair fernfteht und infolgedeffen von der ganz befonderen Einßellung und Stimmung diefer Menfchen nichts weiß, wer darauf angewiefen ift, fich aus den Veröffentlichungen der Partei ein Bild ihres Programms und ihres Wefens zu machen, hat ein hartes Stück Arbeit vor ftch. Wenn man einige Hefte der Zeitfchrift, dazu Arloforoffs Brofchüre »Der jüdifche Volksfozialismus« gelefen und zum Überfluß noch gelegentlich eine Verfammlung des Hapoel hazair befucht hat, wird man von völliger Verwirrung befallen. Und wenn man auch zunächft geneigt ift, diefe Tatfache auf das Konto des eigenen FalTungsvermögens zu . fetzen, gewinnt man doch fchließlich feine Selbftachtung wieder und kann nicht umhin, den Grund für diefe Erfcheinung in der gedankt liehen Unklarheit der Anderen zu fudien. Wirklich eindeutig klar wird einem nur der Gedanke des Volksfozialismus. Dieler neue Sozialismus iß in Wahrheit ein fehr alter: nämlich der ideologifche, vormarxifiifche, den Marx fpäter im Gegenfatz zu feinem eigenen »wilfenfchaftlichen« als utopifdi verspottete. Und er weiß außerdem die Züge jenes Staatsfozialismus auf, wie ihn in Deutfchland Rodbertus und teilweife auch Laffalle vetf traten, nur daß in unferer Situation begreiflicherweife an Stelle des Staats das Volk tritt. Gleichviel: die Begründung diefes Volks* Sozialismus gegenüber dem marxißifchen iß zweifellos ein Verdienß des Hapoel nazair, das fich in feiner ganzen Größe und Bedeutung erß herausßellen wird, wenn es der Partei — wie zu wünfehen iß gelingen follte, die jetzt den Poale Zion zuneigenden MalTen zu erfaffen. Der von den Poale Zion unternommene Verfuch, die ztonißifche Ideologie mit dem hißorifchen Materialismus und das Streben nach dem Aufbau Paläftinas mit dem Klaffenkampfe zu ver^ knüpfen, ferner die Unmöglichkeit, mit verhetzten MalTen und verbitterten Bürgern eine glücklichere foziale Geftaltung zu erzielen, wird zumal von Ludwig Strauß in ausgezeichneter Weife dargetan. Er legt — im Gegenfatz zu Schwalbe und Arloforoff — mit Recht das Hauptgewicht nicht auf die Tatfache, daß der Klaflenkampf im jüdifdien Volke fchon deswegen ein Unding ift, weil es folche Klaffen im marxifchen Sinne bei uns gar nicht gibt, fondern darauf, daß ein wahrhafter Sozialismus auf einer Umgeftaltung der menfehlichen Gefinnung beruhen mülfe und daß der auf dem Wege des Klaffenkampfes erzielte niemals die Reibung zwifchen den ver^ fchiedenen Gruppen menfehlicher Tätigkeit werde befeitigen können«