Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2827066-2827074-2827075--0435-2827537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
26 KRQJANKER, DER HAPOEL HAZAJR DER HAPOEL HAZAIR UND SEINE ZEITSCHRIFT 2L ionifiifche Zeitfchriften wachfen jetzt wie Pilze dem Boden. Audi die Intereffiertefien und Regfamfien klagen, daß fie der Fülle des Gedruckten nidit mehr zu folgen vermögen. Trotzdem iß diefer Zufiand natürlich. Denn die bisher im Hinblick auf ein fernes Endziel einheitlich gerichtete zionifiifche Maffe mußte fich in dem Augenblick differenzieren, wo fie vor die Verwirklichung gefiellt wurde. Neben Gruppen, die nur berufliche Sonderziele ver* folgen, mußten folche entfiehen, die fich auf Grund befonderer An* Fichten über die künftige Gefialtung unferes Gemeinwefens zufammen* fchloflen. Man darf füglich bezweifeln, ob jede Gruppe diefer Art tatfächlich eine befondere Zeitfchrift braucht. Aber man kann ver~ fiehen, daß jede Idee befirebt iß, fich auszubreiten und durchzufetzen.- Und wenn fie das durch eine Zeitfchrift tut, liegt darin der große Vorteil, daß fie fich auf diefe Weife der genauen Kontrolle und Kritik durch die Öffentlichkeit unterzieht. Ganz abgefehen von unferer befonderen Situation, die fchon an fich eine Differenzierung in Gruppen und eine verwirrende Fülle neuer Ideen und Projekte notwendig mit fich bringen muß, find auch die allgemeinen Zeitumfiände von bedeutendem Einfluß auf die Veränderung und Erweiterung unferer Ideologie. Ein inbrünfiiges Suchen nach neuen, belferen Lebensumfiänden geht durch diefe Zeit. Das Befiehende hat fich fo heillos kompromittiert, daß man es refi~ los und auch da zu fiürzen wünfdit, wo eine unbefangene Kritik, halt machen würde. Die große Sehnfucht der Mafien iß bereit, allen 211 folgen, die ihnen eine neue und glücklichere Gefialtung zu veiheiÜen veimögen. Eine Zeit diefer Art gibt dem großen und fehepferifchen Geiß die Möglichkeit, die künftigen Lebensformen nsch feinem Sinn zu gefialten. Sie gibt aber auch den Nährboden ab, auf dem allerhand Weltverbeflerer und Projektemacher eine ehrenvolle und weithin fichtbare Tätigkeit finden. Eine Tätigkeit, die nach Kant eine »üppige prahlerifche« iß, »dadurch man fich ein Anfehen an fchöpferifchem Genie gibt, indem man fordert, was man feifcfi nidit leifien, tadelt, was man felbfi nicht befler machen kann, und vcrfchlagt, woven man feitfi nicht weiß, wo es zu finden iß.« Es iß kein Zweifel, daß mehr oder weniger alle die Ideen, die jetzt tei uns mit dem Anfpruch auftreten, eine Vertiefung nach der jüdifden Seite hin 2u bedeuten, nidit weniger unferer Umwelt entlehnt find, als es der Nationalismus war, den wir früher im Anlchluß an Fichte und andere proklamierten. Das wäre auch an fich nech kein Schaden. Der tritt erfi ein, wenn wir unfer Herz allzuweit für die neuen Ideen öffnen, die von außen einfiremen in dem guten, aber kindlichen Glauben, daß bei uns nun alles ver^ wirklicht werden könne und müße, was an fich Ichön, groß und er~ haben iß. Der tritt befenders ein, wenn. Gedanken diefer Art die