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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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22 KUPTERBERG, GRUNDLAGEN UND AUSBLICKE ganifation nämlich etwa vom Charakter des Blau*Weiß, die den jungen Zioniften zum Erlebnis feines Volkes führen, die ihn menfeh* lidi timftellert und bewußt fozial eingliedern foHte, beftand nicht f und fö ftellte der richtige zioniftifche Inftinkt feinet Begründer natuf* gemäß dem jungen K* \< V, die Aufgabe, gleichfam jenes erfte Stadium in der Entwicklung des zioniftifchen Individualiftfea zur Gemeinfdbaft hin zu fein, das anfangs dargelegt wurde, Diefem Ziele aber war das Kartell nicht gewachfen, 'tfeil ein* mal feine Glieder, die hier Gemeinfdbaft wurden, durchschnittlich ausgereifte, im Gefüge ihres >— tinfoziaien — Wefens fchwer zu er** fchütternde Männer waren, und weil ferner pfychologifcher Zwang mit der eben erklärten Gesetzmäßigkeit den affimilierten Zioniften der Herzlfchcn Epoche überfchnell der dritten Stufe nationaljüdifcher Evolution, den jüdifchen Külturinhalten, entgegentrieb. So wurde man »exklufiv« — nicht wie die Burfchenfdiafter oder Korpsverbände aus einer Überfülle des Gemeinfchaftserlebens, dem man vorforg* lieh aus Rückfichten ftandesgemäßer Abgefchloffenheit die Gemein* fchaftsarbeit gegenüberftellte, fondern aus Mangel an Gemeinfchafts* erleben und fozialer Erlebensfähigkeit. Um nämlich die inzwifchen Ilet> und teuer gewordene, dem Einzelnen in Fleifch und Blut über** gegangene Verbindung überhaupt lebensfähig zu erhalten, pervertierte man die eigentliche Grundtendenz des K. J- V. und fchloß lieh zu femeinfamer und, da die vorhergehende notwendige gefühlsmäßige Im- und Einftellung der Perfönlichkeit fehlte, finnfofer Arbeit, zu intenfiven Lehrkurfen, zu gefchichtlichen Seminaren zufammen. Und wo man zu den Quellgründen altjüdifcher Lehrinhalte nicht vor* drang, verfiel man notwendig auf die Surrogate der Gemeinfchafts* arbeit deutfeher Studentenverbindungen: auf Kneipkomment und Fechtftunde. Aus diefem Entwicklungsprozeß heraus erwächft logifch die Aufgabe des Kartells in unferen Tagen. Seine urfprünglich ge* dachte Bedeutung im Rahmen des deutfehen Zionismus, die Rolle eines Durchgangspunktes, einer Brennlinie, die den individualiftifchen Zioniften <und damals waren ja nur Akademiker die Träger der nationaljüdifchen Idee!) gemeinfehaftstauglich macht und ihn dann in ilie breite Öffentlichkeit hinausfendet, verlor das K. J. V. in dem Augenblick, da der Blau^Weiß und viele andere Jugendorganifationen entftanden, die die zioniftifche Jugend einfogen und den Einzelnen 4ie Grundtatfache feiner fozialen und nationalen Eingliederung er* leben ließen. Die Mehrzahl der jungen Zioniften, die heute in das Kartell eintreten, ift ihrem innerften Wefen nach fozial, hat Ge* meinfehaft und jüdifche Gemeinfchaft erlebt Das K. J, V. kann heute nur, in ftändig Zeigendem Maße, Stätte der Gemeinfcha&s* arbeit fein. Aber deshalb fchließt es (ich nicht ab! Denn die Gemeinfchafts* arbeit, die nun geleiftet wird, ift vom Erleben durchtränkt. Aus <ler Fülle und Uberfülle feichter Bildvorftellungen und Erlebnifle, die fich durch ihre wahllofe Malfe letzten Endes felbft aufheben, wählt der gemeinfehaftsbewußte Jude, der die überperfönliche Idee

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