Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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KUPTERBERG, GRUNDLAGEN UND AUSBLICKE 21 fl Wie beeinflußte und wie beeinflußt dtefe Lage der Dinge unfer Kartell? Welches find die Ausblicke, die fidt danach für das K. J. V. eröffnen? Wie ift insbesondere unter dielet! Umßänden die Gründung des »Hedbawer« zu begreifen und zu rechtfertigen? Man kann, in etwas gewagter Übertragung phvfikalifcher Gefetzmäßigkeiten etwa vom Kräfteparallelogramm auf aas Gebiet pfychifcher Dynamik, die Arbeit als das Kontraktionsmoment, den intenfivierenden Pol, das Erleben dagegen als das Evolutionsmoment, den extenfivierenden Pol der Gemeinschaft, bezeichnen. Die Arbeit nämlich, ob fie nun Erleben geworden ift oder fmnlofes Lernen bleibt, verbindet Menfchen zu enger intenfiver Tatgemeinfchaft und wirkt ihrem Wefen nach, felektiv, als ausfcheidender, auslefender Faktor, fie »kontrahiert« die Gemeinfchaft. Das Erleben dagegen, das die Tendenz hat, fich in ungehemmter Verbreiterung zu!profanieren und endlich aufzuheben, extenfiviert trotz feiner gemein* chaftsbitdenden Eigenschaft im weiteren Verlaufe naturgemäß dtefe felbe Gemeinfchaft und öffnet fie dem uferlos brandenden Strothe des Lebens,- es wirkt evolutionißifch <im Urfinn des Verbums evolvere), es »wickelt« die Gemeinfchaft »aus«. Das Kartell war unter Gefichtspunkten gegründet worden, die ihm in feinen wesentlichen Beßimmungen und Zielen eine Sonder« ßelfung im Rahmen der deutfchen Studentenverbindungen verliehen. Die Vereinigungen der Landsmannfchaften, die Verbände der Burfchenfchafter, die Korps waren ihrem innerßen Aufbau nach excfufiv: Menfchen organisierten ihr ausgeprägtes Standesgefühl und fchloflen einen Bund, fobafd der Unterbau rätfefhafter irrationaler Sympathie überhaupt vorhanden war. War aber diefer Bund — rein gefühlsmäßig — gebildet, fo wurde die Exclufivität feines Wefens faß automatifch durch den Mangel jeglicher Zufammen* und abfchließender Gemeinfchaftsarbeit beeinflußt und drohte zu zer* flattern. Diefem Umßande verdanken wir Sauf«? und Kneipwefen, die Surrogate der Gemeinfchaftsarbeit. Der fyßematifche ßudentifche »Betrieb« wirkte intenfivierend und wurde nur vorübergehend, in den Zeiten erhöhten Nationalgefühls, alfo in den Kriegsjahren, durch ein würdigeres, die Gemeinfchaft verinnerlichendes Aequivalent abgelöft. Die gemeinfame Verteidigung des Vaterlandes, möglicher* weife in »ftandesgemäßem« militärifchen Range, erhöhte das Zu* fammengehörigkeitsbewußtfein, und nicht umfonft ftellen die Freiheitskriege einen Höhepunkt in der Gefchichte der deutfchen Akademiker* Organisationen dar. Im Gegenfatz zu diefen Entwicklungsftrebungen und Ten* denzierungen war das Kartell Jüdifcher Verbindungen, da es gefründet wurde, als ein Brennpunkt des zioniftifchen Lebens in >eutfchland, als ein Quell, aus dem unaufhörlich frifche Kräfte nach allen Richtungen ftrömen follten, als eine Körperfchaft, die (Ich bis zu einem gewiffen Grade im Laufe ihres Werdeganges felbft über* winden follte, gedacht: es bifdete fich innerlich unter dem Gefichts* Winkel des extenfivierenden Gemeinfchaftserlebens. Eine Or*