Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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20 KUPFERBERG, GRUNDLAGEN UND AUSBLICKE Gemeinßhaftskreis <wenn man hier von einem Gemeinfihaftskreis reden darf) der alten zionifiifchen Generation, der das Moment des »Erlebens«, infolge eines überhafiigen Entwicklungstempos aus« fefdialtet hatte und das Moment der »Arbeit«, die jetzt kein Lrleben, fondern trockenes Lernen war, hypertrophierte/ und auf der anderen Seite der Gemeinfchaftskreis der jungen zionifiilchen Generation, der umgekehrt das Moment der »Aroeit«, die als auslefender Faktor der »Profanierung des Erlebens« ßeuert, nodh nicht entwickelt hatte, das Moment des »Erlebens« aber ausgefialtet hatte und faß hypertrophierte. den Jungen, in Gemeinfchaft zu arbeiten. So nur erklären (ich alle Erbitterungen und Gegenfätze des Jugendtages. Der Krieg, der Militärdienfi hatte auch die eigenwilligfien Querköpfe, auch die individualißifchten Zionißen äußerlich uniformiert, innerlich zu Kameradfchaftsgefühlen erzogen. Das Gleichmaß foldatifcher Difziplin, die Gemeinfamkeit von Freud und Leid drängte den Menfchen aus feiner felbftgenügfamen Vereinzelung und machte ihm die Gemeinfchaft feines Volkes und feines Staates bewußt. Als die alten Anhänger des jüdifdhen Nationalgedankens nadi vier langen Jahren zurückkehrten, hatten (ie Gemeinfchaft *~ nicht jüdifche, fondern fremde — erlebt. Sie hatten aufgehört, Individualifien zu feinfie hatten die Fähigkeit erlangt, überhaupt mit Menfchen zufammenzuleben. Vergegenwärtigt man fidi ferner die Tatfache, daß in der nun folgenden Zeit eine ungeahnte Welle des Sozialismus über Europa dahinflutet, die überall das Volks* und flaatsbürgerliche Gefühl des Einzelnen außerordentlich ßeigert, denkt man vor allem an die bald einfetzende rege und fruchtbare Wechfelwirkung des alten nationaljüdifchen, durdi die Ereignifle des Krieges im Moment des »Erlebens« geßärkten und alfo harmonilierten Gemeinfdiaftskreifes mit der jungen zionifiifchen Generation, fo ve r* fleht man, daß jetzt eine Entwicklung einfetzt, die beide Schichten, Jung und Alt, enger und enger aneinanderheftet, indem in ihrem Verlaufe einerfeits der Kreis der älteren Nationaljuden in jüdifche r Gemeinfchaft leben lernt, während auf der anderen Seite die zionifiifdien »Jugendlichen«, unter der anregenden Leitung ihre/« er^ wachfenen Gefmnungsfreunde und überhaupt dem natürlich zur dritten Stufe fortfchreitenden Laufe ihrer jüdifchen Entwicklung femäß, fich nach und nadi in die Kulturprobleme des Judentums ineindenken, ihre KenntnifTe vertiefen, in jüdifdier Gemeinfchaft arbeiten lernen. Der alte Zioniß holt die erße, feinerzeit vorfchnell über* trungene Stufe feiner nationaljüdifchen Entwicklung nach, der junge ioniß dringt zur dritten Stufe feiner nationaljüdifchen Entwicklung vor/ und näher und näher, in ihrer Wefensftruktur fich unaus* gefetzt anähnelnd, rücken beide Generationsgemeinfchaften an* einander. % Die Einheit der zionifiifchen Bewegung in Deutschland iß angebahnt. Gemeinfchaft zu leben,