Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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KUPFERBERG, GRUNDLAGEN UND AUSBLICKE 19 Piefer Entwicklungsgang, der den jungen Zionißen erfi fpät mit Problemen und Werten der jüdifdien Kultur vertraut machte, mußte eine Generation zeitigen und zeitigte fie, die fozial empfand, in Gemeinfdiaft und in jüdifdier Gemeinschaft leben konnte. Mehr als das; nur in jüdifdier Gemeinfdiaft fand der Blau*Weiße, war er feinen objektiven Kenntniflen nadi nodi fo unjüdifdi, Befriedigung/ nur ihr konnte er fidi hingeben, nur ihr feine Kraft widmen. Und wenn man diefe Erfdieinung, die belfer als alles andere gegen die philologifch^judaifierende Erziehung gewiffer zionißifdier Kreife und rür die Blau*Weiß*Erziehung fpridit, audi zum Teil aus der Tat? fache herleiten kann, daß in Deutfchland die einzige nichtindividualifiifdie Bevölkerungsfchidit des Wirtsvolkes, der man fich vielleicht hätte verwandt fühlen können, daß etwa die Freideutfdie Jugend, der Kreis um Wyneken, fidi gegen Juden in fieigendem Maße abfihloß, wenn alfo auch negative Gründe für jene Hingabefähigkeit der jungen Zionißen an eine jüdifche Gemeinfdiaft geltend gemacht werden, fo muß andererfeits doch betont werden, daß Leben, überfprudelndes und wirklidikeitserfülltes Sein, durch Negationen nie refilos erklärt und ausgelchöpft werden kann, > Vielmehr bewiefen die Ergebniffe der Erziehung in den jungen nationaljüdilchen Organifationen, am augenfälligfien im Blau^Weift, daß bewußte Juden, wenn fie eine Gemeinfdiaft bilden und, bilden können, letzten Endes auch ohne Vertiefung in das Schrifttum, ohne Wiffen um die Kulturgüter der Ahnen, einfach durch die Tatfache ihrer Exifienz jüdifih find, daß letzten Endes der jüdifihe Menfth — die realfie und wirklichste Tatfache, wie Blumenfeld auf dem nationaljüdilchen Jugendtag im vergangenen Jahre Tagte ~r fiärker iß als der iüdifche Geiß. Als fidi im letzten Herbße auf dem Berliner Jugendtage die Geifier Ichieden, war diefe »Zionifierung« der jungen jüdifihen Generation alles andere als abgefdiloflen. Man hatte die erfien beiden Stadien der Entwicklung, wie fie zu Beginn diefer Arbeit angedeutet wurden, durchlaufen, man hatte etwa den Individualismus und kaum die Affimilation <hier; die Liebe zur fremdnationalen Gemeinfihaft) überwunden/ die innere pfydiologilche Nötigung aber, die als gleich ßarke Reaktion auf eine fiarke Einwurzelung in nichtjüdifiher Kultur die Zionißen der erfien Zeiten zur überfchnellen Wiffensanhäufung jüdilcfaer Geifieswerte gezwungen hatte, eine gewilfe innere Befriedigung ferner, die zum Augenblicke fagte: »Verweile doch . . .«, der Krieg zuletzt, der eine große Anzahl älterer Nationaljuden, der Führer auf dem Weg ins Schrifttum, an Front und Schützengräben felTelte, alle diefe und andere Faktoren bewirkten, daß auf dem Jugendtage die nationaljüdifdie Jugend oder doch ihr bedeutendfier Teil — der die dritte Stufe zionißifdier Entwicklung noch nicht durchlaufen hatte — als eine Ketzerfchar größenwahnfinniger Ignoranten, als eine Rotte Korah der Malle der älteren Zionißen gegenüberfiand, die .in jüdifdier Kultur verwurzelt waren und jüdilai dachten, nicht aber in jüdilcher Gemeinfihaft fianden. Zwei Gemeinfdiaftskreife rieben fidi hier,- der eine, der