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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 19

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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KUPTERBERG, GRUNDLAGEN UND AUSBLICKE 17 Das Gemeinfame jener drei Entwicklungsfiufen ift die in* dividualifiifche Grundeinfiellung, aus der fie geboren find. Ob man nun fein Ich in feierlichen Augenblicken und ßillen Stunden an der Idee Zion beraufcht, ob man fpäter in dem klaren Bewußtfein des perfönlichen Opfers nach Paläßina geht, ob man zuletzt im Glauben an eine Bereicherung der Individualität, an ein poten^ ziertes perfönlidies Leben die Auswanderung durchfetzt — immer fleht im Zentrum aller Betrachtungen und Gedankenketten die eigene Perfon. Individualißen find es/ die hier denken und handeln. Und es iß klar, daß die Stellungnahme diefer Zionifien zu ihrem jüdifchen Ideale an der einen Grundtatfache ihres Seins, an ihrer Unfähigkeit, Geh über die eigene Individualität hinaus wahrhaft einer Gemeinfchaft einzugliedern, krankt. Auch der in Paläßina lebende nationaljüdifche Individualifi iß unbefriedigt/ und hier liegt vielleicht der SchlülTel für das Verfiändnis von mancherlei Enttäufchungen und Fehlfchlägen, denen begeifierte Juden ausgefetzt waren, die »ihren perfönlichen Zionismus verwirklicht hatten«. Letzten Endes wurzeln diefe Mißfiände, die den Zionismus vor dem Kriege fiark beeinträchtigten, in der Tatfache, daß der Weg des zionifiifchen Galuthjuden zu feiner Gemeinfchaft ein übereilter war. Man machte den zweiten Schritt vor dem erfien, man machte vielmehr den erfien Schritt überhaupt nicht, man wurde »jüdifch« und überwand bis zu einem gewilfen Grade die Ignoranz in jüdifchen Kulturdingen, ohne fich vorher menfchlichumgefiellt, ohne das erfie Stadium des Weges zur Gemeinfchaft überwunden und die Fähigkeit der jüdifch^kulturellen Produktivität erlangt zu haben. Der Zionift diefer Zeiten arbeitet fich tief und ehrlich in die Probleme der jüdifihen Kultur, in alle Fragen des paläfiinenfifchen Aufbaus hinein und leifiet wertvolle Kleinarbeit, er erzielt als Verfammlungsredner, der auf alle Anfragen die fchlagende Antwort bereithält, große Wirkungen und überzeugt mit Leidenfchaft,« aber es geht ihm die letzte, entfeheidende Fähigkeit ab, die, feinen Ideen gemäß fozial, in freudiger Hingabe als Glied lebendiger Gemeinfchaft, unabhängig von den Rückfichten einer Perfönlichkeitsopferung oder -erhöhung, zu leben: er bleibt Individualifi. Nicht nur aus dem Umfiand, daß hier erwachfene und reife Menfchen, deren Entwicklung abgefchloflen ift und die kaum noch fähig find, ihr Grundwefen radikal umzufiellen, von einer Idee ergriffen wurden, nicht nur aus diefer Tatfache erklärt fich jene Anomalie in der zionifiifchen Entwicklung der alten Generation, das Überfpringen der erfien, wefentlichen Stufe. Vielmehr fcheint hier befonders ein pfychologifches Moment zu wirken, das mit innerem Zwange den Zionifien, der fich urplötzlich feiner ganzen »Unjüdifchkeit«, der großen Tragik feiner fortgefchrittenen Affimilation bewußt wird, zu den Inhalten der jüdifchen Geifieskultur hin* treibt Man will jüdifch werden um jeden Preis, man will die Affimilation, die man am unmittelbaren und darum am fchmerz* haftefien empfindet, um jeden Preis überwinden, und fo befchleunigt

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