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Der jüdische Wille · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · page 18

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
II (1919-1920)
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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16 KUPTERBERG, GRUNDLAGEN UND AUSBLICKE Richtet man, nach diefen allgemeinen Vorbemerkungen, den Blick auf die Entwicklung der alten zionifiifchen Generation zurjüdifchen Gemeinfchaft hin, verfolgt man im befonderen die Einßellung des Zioniften der letzten beiden Jahrzehnte zu Paläftina, lo beobachtet man in diefer Einßellung drei Ent* widklungsßufen. Dem Zionißen der erßen Kongreffe war Paläßina ein sym* bolifcher Begriff. Man fang wohl: »Dort wo die Ceder . . .«, man fiel fich wohl bei gewiflen Gelegenheiten gerührt in die Arme oder fandte dem Gefinnungsgenoffen Zionsgrüße auf einer mit Nationalfondsmarken gefchmückten Anfichtskarte, aus der ein Struckfdier Judenkopf mit wallendem Bart herausleuchtete oder wo Nattern fich um fiififierte Ölbäume und idealifierte Magen Davids ringelten, man fpielte endlich wohl mit dem Gedanken eines Lebens in Erez Ifrael, aber ganz Wenige nur, die Beßen, machten Ernß und wanderten aus. Schließlich konnte es nicht anders fein. In diefer Zeit, da den Nationaljuden gerade in den Kreifen feiner Glaubensgenoffen das Bekenntnis zum Bafeler Programm gefeilt fdiaftlich faß unmöglich machte, da der gute jüdifche bürgerliche Mittelfiand Sozialißen, Zionißen und ähnliche Leute befienfalls als überfpannte Outfider, fchlimmfienfalls als Vaterlandsverräter brandmarkte und ächtete, -~ damals war es wahrhaft eine Tat, die ztonißifche Idee zu bejahen. Mit der fortfehreitenden Verbreiterung und Entwicklung des Zionismus vertieft und verinnerlicht der Einzelne feine Stellung* nähme zu Zion. Man beginnt in geßeigertem Maße Paläßina konkret in fein Lebensprogramm aufzunehmen, und zwar befchließt man, fich für die Wiedergeburt des jüdifchen Volkes zu — opfern. In einer Art geißigen Sadismus fiellt man vielleicht Sätze auf wie etwa: »Paläßina wird nicht von Lebenden, fondern von Toten ge* baut werden«, »Unfer Blut muß das Land der Väter düngen«, und erklärt fich gern bereit, drüben, im jungen Jifdhub, die eigene Perfönlichkeit überhaupt auszufchalten, ganz, refiios in dem neu* entßehenden Gemeinfchaftskörper unterzutauchen. Die Idee des Perfönficßüeitsopfers beherrfcht diefe Stufe der Einßellung zu Paläßina. Noch fpäter aber, da man erkannt hat, daß einerfeits etiv Leben in jüdifdier Gemejnfchaft auf dem alten Boden die Individualitäten nicht auslöfchen, fondern im Gegenteil der Perfönlichkeit des Einzelnen neue, ungeahnte Kräfte zußrömen laffen würde, und daß anderer* feits "das Leben inmitten des fremden Wirtsvolkes, im Rahmen einer mehr oder minder drückenden Ordnung der wirtfefaaftlichen und geifiigen Verhältnilfe, auf die Dauer fchlechterdings eine Un* möglichkeit darfielle, fpäter glaubt man, in Paläßina die erfehnte Be* friedigung feines Ich, die Erfüllung aller perfönlichen Sehnfucht und WünTche zu finden. Und aus folcher Überzeugung heraus bejaht man freudig den Gedanken der Überfiedlung. Die Idee der Per** sönficßßeitserfiöfiung beherrfcht diefe Stufe der Einßellung zi& Paläßina.

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