Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- II (1919-1920)
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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BLUMENTELD, DER GEIST DES K. J. V. 13 - ' - ------ ------ —------ -----;-- Der feminine Charakter diefer Gruppen iß unverkennbar, und diefe Wirkung der großen Weltfirömungen, in denen der Konflikt der modernen xKultur erblickt werden kann, wird in unferen Reihen ftark empfunden. Sie wird nicht nur im K. J. V., fondern auch in der zionifiifchen Jugend anderer Länder fühlbar. Der Einfluß diefer Weltßimmung, von der manche unferer Freunde überwältigt worden find, muß durch uns wieder abgedämmt werden. Im jüdifchen Leben genügt es nicht, für fich zu leben/ wir haben nicht das Recht, darauf zu verzichten, Verkünder und Werber unferer Idee zu fein. So wie wir ergriffen worden find durch die Bewegung, die uns mit Worten umwarb, fo mülfen wir *ins verantwortlich fühlen für die ganze jüdißhe Jugend, der wir Gelegenheit geben müffen, uns kennen zu lernen und fich uns anzu* .Ichließen. Für uns iß die Judenfrage eine nationale, und damit wird fie zum Formproblem des jüdifchen Menfchen und des jüdilchen "Volkes, Wir wollen die gefchlolfene jüdifche Volkskultur durch unfer Leben und durch das Ringen unferer Nachkommen geßalten. Uns genügt daher nicht die Gemeinlchaft aus Wahlverwandfihaft, 4it im eigenen Kreife Genüge findet und nur ihre Leißung innerhalb des Volkes wirken laflen will/ wir wollen den Bund der jüdilchen Männer, die fich verantwortlich fühlen, für alle Teile des jüdifchen Volkes und für alle Erfcheinungen des jüdifchen Lebens, tlnfere Verhin* düngen find gewiß die Stätten, in denen Freundeskreife fich bilden, -die in engßer Seelengemeinfchaft gemeinfam ihr Leben führen,* der höhere Wert der Verbindung liegt jedoch darin, daß jeder Bundes* bruder fidi eins fühlt mit dem ganzen Bunde. Der K.J.V.«er foll fich dadurch auszeichnen, daß er die großen Zufammenhänge - des jüdilchen Lebens verßeht, daß er fich verantwortlich fühlt rar die Politik des jüdifchen Volkes, daß er die Verpflichtung fühlt, am ge* ordneten Aufbau des jüdifchen Landes und jüdilchen Staatswefens mitzuwirken. Nur der gegliederte Bund politifth erzogener jüdißher Männer iß kampffähig, und den kampffähigen Bund brauchen wir für den Aufbau Palästinas und für die Arbeit im Galuth. Das neue KJ.V. muß die unverlierbaren Werte unferes Bundes fefthalten und ausbauen und die wandelbaren, in der Zeit geborenen Formen abfthaffen und durch neue erfetzen. In feiner öefamtheit wird es bemüht fein mülfen, der zionißifihen Entwicklung gewachfen zu fein. Da wir heute uns von den Nichtzionifien nicht mehr wie früher nur durch das Wollen,*fondern durch das Sein unterfiheiden, da wir heute die Notwendigkeit empfinden, unfef Leben neu zu geßalten, und da das neue jüdifche Leben reich und vielgefialtig ifi, ■kann das KJ.V. feine Aufgabe nicht darin erblicken, den Geiß zu reglementieren. Wir wollen nicht, daß das jüdifihe Leben der KJ.V.^er uniformiert wird. Voilfie Freiheit der geifiigen und jüdilchen Entwicklung muß nicht nur dem Einzelnen gewährt werden, fondern das KJ.V. muß es für feine Aufgabe halten, alle Erfiheinungsformen des jüdilchen Lebens, die von feinen Bundesbrüdern gelebt werden, auszugefialten, in ihrer Entwicklung zu fördern und mitzuleben. Ein Banaufentum, das dem Reichtum diefes echten Lebens nicht