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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 56

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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Einzelheiten 373 Einzelne fich dazu itellen, wie fie will, es ziemt der jüdifchen Frau, die Sitten und Gefetze ihres Volkes wohl zü kennen. Für den Lehrgang und die rein technifchen Dinge könnten wir uns, natürlich mit den entfprecheriden Ab* änderungen, die vorzüglichen Reifen* deiner Schulen als Vorbild. nehmen. Jedem Mädel; darf mit gutem Gewiflen zum Befuch einer folchen Schule geraten werden, gleichgültig, ob fie die Kenntnifle hier oder in Palältina, im eignen Heim oder als Grundlage zu einem der vielen Berufe verwenden will, der dann nur noch die Vervollkommnung auf einem Spezialgebiet diefes Kreifes erfordert. Dies alles läßt fich heut nur an* deuten und foll fpäter eingehender dargelegt werden, nur eins, mag vorweg genommen werden: Es herrfcht unter denen, die fich für Palältina vorbereiten, eine böfe Unkenntnis über die Art der Arbeit, die in Palältina auf fie. wartet. Immer und immer wieder werden Anfragen nach gärtnerifchen Ausbildungsmöglichkeiten oder gar nach landwirtschaftlicher Außen* arbeit geftellt. Paläftina liegt nicht auf dem Monde und überall auf der Erde befteht Frauenarbeit zu allerer!! in der Versorgung des Haufes und der Küche. Nach alledem, was wir aus Palältina erfahren, werden dort vor allem Frauen gebraucht, die Küche und Hauswirtfchaft verliehen, Gemüfebau, Kleintierzucht, Molkerei und Bienenzucht. Eine Gärt* nerei wäre demzufolge nicht grade die geeignetere Ausbildungsftätte, aber ebenfo verfehlt fcheint es mir, jedes der einzelnen Fächer in einem fechs* bis acht wöchentlichen Kurfe in einer anderen Ecke des deutfehen Reiches erlernen zu wollen, Die einzige Möglichkeit für diejenigen, die nicht eine der wenigen wirtfehaft* liehen Frauenfchulen auf dem Lande, die uns Juden offen liehen, befuchen wollen oder können, ift vorläufig nur die Arbeit auf einem jüdifchen Gut. Dringender als je ift heut die Schaf* fung einer jüdifchen Ausbildungsftätte in der oben skizzierten Art notwendig. Ihre Rentabilität ift ebenfo zweifellos wie das Vorhandenfein der zur Gründung nötigen Geldmittel. Es fehlt einzig und allein nur die Frau, die fähig wäre, die Leitung zu übernehmen. Von ihr allein und nicht von der Form der Gemeinfchaft, ob Schule ödär freie Arbeitsgemeinfchaft, auch nicht von der äußeren Anlage und. Ausftattung hängt der Erfolg diefes Unternehmens ab. Ueberffüffig würde diefe Neugründung die verfchiedenen Jugendorganisationen nicht machen. Ganz abgefehen davon, daß nur ein Bruchteil unferer Mädel cfiefe Ausbildung genießen würde, haben die Vereine ihre Bedeutung für die Propagierung unfeiner nationalen 'Idee, zur Fortbildung, vor allem aber dienen fie zur Stärkung des Gemein* fchaftsgefühles/ der Primat in allen Er* ziehungsfragen aber gebührt der neuen Schule. Und haben wir erft eine Anftalt, fo wird Sehr bald eine ganze Reihe folcher Schulen notwendig und von ihnen aus wird die jüdifche Mädchen* erziehung gewandelt werden. Vera Rofenßaütn Zur jüdifeßen Soiiafpfycßofogie. In der Feftfchrift für Oberkirchenrat Dr. Kroner findet fich ein Auffätz von Rabbiner Dr. Schiefinger -über «Jüdilche SozialpSychologie«. Der Verfafler geht davon aus, daß die Wiflenfchaft des Judentums bisher nur zwei große Arbeitsfelder kannte, das der hiftorifch*philologifchen und das der philofophifchen Forfchung das Ge* biet der religionspfychologifchen For* fchung fei hingegen bislang unbekannt geblieben. Erlt in jüngfter Zeit befchaftigte man fich — es taten das vor allem chrißliche Forfcher — mit dem Gebiet der Religions*Pfychologie. In Amerika hat man fich bereits feit mehreren Jahrzehnten diefem W'^Tens* zweig zugewendet / dort glaubte man durch Fragebogen und ähnliche der Ex* perimental*Pfychologie entlehnte Me* thoden in maßlofer Ueberfchätzung der überhaupt erreichbaren Refultate dem Wefensgehalt des Religiöfen näher zu kommen. Von diefen Beftrebungen gilt, was ich in einer kleinen Glofle im 2. Jahrgang des »Juden« über »Pfychologie und Judentum« ausführte, daß der Gegen* ftand der Forfchung viel zu fubtil ift, als daß er der Experimental*Pfxchologie bei ihrem augenblicklichen Stande er*

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