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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 43

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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360 Ham6urg*r, Vom Antifemitismus im alten Ägypten fachlich, in Einwendungen gegen den kulturellen Wert des Juden^ tums, die in ein hiftorifches Gewand gehüllt waren, ökonomifche Betrachtungen lagen ja dem Altertum durchaus, fern. Irrtümlich fchließt man aus den antifemitifchen Schriften auf nationalen Hochmut und Engherzigkeit fowie ßrenge AbgefchlolTenheit der Juden. In der Epoche, von der wir handeln, ilt zwar der Gedanke der jüdifchen Gemeinfchaft und ihrer Erhaltung lebendig, wird aber die Affimi^ lation in Sprache, Sitte und felbft im Kultus entfprechend den Forderungen der Gegenwart nicht abfolut zurückgewiefen. Im Kultus machen fich leife Anklänge an den einheimifchen bemerkbar ihre Tempel weihen die Juden häufig dem Herrfchergefchlecht} die griechifdie Sprache nehmen fie als Umgangsfprache an und müffen fchließlich die heilige Schrift in fie überfetzen, um fich deren Ver* ßändnis zu fiebern. Wurde fchon in Jerufalem ein »Gymnafium« angelegt und drang felhft hier die hellenifche Bildung ein, fo unter* lagen die Juden der Diaspora in noch höherem Maße fremden Ein^ Hüffen, nahmen griechifche Namen an, kleideten fich griechifch. Aber ein großer Irrtum bleibt es doch, diefe Anpaffung an den Hellenist mus mit der heutigen Alfimilatiori auf eine Stufe zu ftellen. Bei allen ähnlichen Zügen bleibt doch die grundlegende Befonderheit, daß jeder, auch der hellenifierte Jude, fich weiter als Glied der jüdifchen Nation empfand, die die ganze Epoche hindurch bis tief in die römifche Kaiferzeit hinein auch äußerlich eine durch ihren Kultus und ihre foziale Lage bedingte politifche Sonderßellung in Ägypten einnahm. »Das unvergleichlich zähe Gefühl der nationalen Zufammengehörigkeit« fagt Mommfen, »behauptete fich trotz Zer* ftreuung und Spaltung« und an einer andern Stelle : »Die helleniftifche Richtung im Judentum hat auf dieses felbft nie übermäßig eingewirkt, niemals vermocht dem nationalen Judentum entgegenzutreten.« Diefer Wille, bei allen Angleichungen feine Befonderheit zu wahren, fiel , als etwas fpezififch Jüdifches in der fich kulturell hellenifierenden Welt auf. ' Das Volk das fich nicht affimilieren wollte, wurde damals, als bei ihm von einem ftarren, exklufiven und gegen alle Andersgläubigen gehäffigen Wefen nicht die Rede fein konnte, als menfehenfeindiieh empfunden, weil es fein nationales Dafein nicht der hellenißifchen Weltkultur, die damals als internationaler Humanismus propagiert wurde, zu opfern willens war. Daraus erklärt fich der Gegenfatz auch zwifchen den geiftig, hellenifierten Ägyptern und den Griechen auf der einen Seite und den Juden auf der andern Seite, der in den antifemitifchen Tendenzen der Schriftftellerei fchon vor der Makkabäerzeit feinen Ausdruck fand und den Judenhaß der Maffen begleitete. Cßarfottenßurg Dr. Ernfi Hamßurger.

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