Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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Hümßürgvt, Vom Ärttifemitismus im akeft.Ägypten 359 Audi die Eintreibung cfer auf den Wafferfiraßen fälligeii Zölle' War von dert Ptölemaiern den Jtiden vorbehalten >« von ihnen wurde auch öfter das Atnt des Oberzollpächters auf der äräbifchen Seite des Nils, eine fehr hohe Würde, bekleidet. Die privilegierte Stellung und die Sonderrechte, deren fich die Juden erfreuten, vergrößerten die Abneigung gegen fie. Sie hätten zwar nicht das älexandrinifche Bürgerrecht, fiänden aber doch rechte lieh den Alexandrinern nahe und nähmen gegenüber den einge* borenen Ägyptern eine gehobene Stellung ein. Außerdem gewährten ihnen die Ptolemaier wichtige Privilegien, wie die Freiheit des Kultus, eigene Rechtfprechung innerhalb der Gemeinde, Verwaltung des Gemeindevermögens ufw. Selbfiverfiändlich hängen diefe Sonder^ rechte mit der Wichtigkeit des jüdifchen Elements für die Regierung der. Ptolemaier vor allem in finanzieller Hinficht zufammen der Antifemitismus der Griechen und Ägypter aber vermochte nicht den Grund, fondern nur die Tatfache zu fehen, die den Juden eine Sonderßellung zuwies. Die foziale Lage und die politifche Macht des ägyptifchen Judentums, diefe eine Folge jener, wuchs im 2. Jahrhundert vor Ghr. nach dem Übergang Paläßinas aus ägyptifchen in fyrifche Hände infolge der Bedeutung, die die Ptolemaier einer Bevorzugung ihrer Juden als geeignetes Mittel im Kampfe gegen den fyrifchen Erbfeind beilegten. Ihre politifche Befeßigung erhielt die bis dahin hauptfächlich wirtfehaftlich und fozial auffällige Sonder^ ßellung des Judentums durch die Gründung des Oniastempels in Leontopolis, Der Tempel dort wurde wie wir fahen, der Mittelpunkt, um den herum die Juden Ägyptens fich eine feßere Organi* fation und dadurch die Möglichkeit einer politifchen Ausmünzung ihrer fozialen Bedeutung und ihrer numerifchen Stärke fchufen. So refultiert die erße Judenverfolgung unter den Ptölemaiern aus der Umfetzung des Haßes der Hellenen gegen die durch nationale Privilegien geficherte wirtfehaftliche und politifche Macht der Juden in offenen Kampf, der nach der Niederlage der Partei Kleopatras, unter Duldung des neuen Herrfchers in eine Hetze gegen die Juden als führende Schicht der Anhänger der ehemaligen Königin umfehlug. Wenn uns freilich bei Manetho und Mnafeas ein mehr »wilfenfchaftlicher« Antifemitismus entgegentritt, fo dürfen wir uns dadurch über die ökonomifche und politifche Bafis, auf der er bei den breiten Malfen erwachfen iß, nicht täufchen lafien. Solche Märchen, wie fie Manetho über die Herkunft der Juden erzählt, gehen hervor aus dem Gerede, das fich um das aus fehr realen Gründen von allen gehaßte Volk rankt. Es iß nicht richtig, daß der theoretifche Antifemitismus den praktifchen erzeugt hätte, fondern beide Erfcheinungsformen find Früchte desfelben Baumes, und nur weil die politifchen Umßände im 3. und Anfange des 2. Jahrhunderts der praktifchen Betätigung des Antifemitismus ungünfiig waren,. konnte er fich allein theoretifch zeigen und zwar literarifch haupt*