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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 41

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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358 'Hä'thßhrfifr* Vom Äntilemitisnius int alten "Ägypten föttdertl um die Radia l der Sieger äri den Juden,- die eine äusge~ fpröchene Parteinahme in dem Fhronfolgeftreit gezeigt hatten. Aber gerade folche Vörgänge gehören in die Gefchichte des'Antifemitismus hinein,- man darf das nicht weiter zu begründende, fondern nur zu konfiatierende Urmotiv, mag man es nun Rälfenhäß, heidnifchen Infiinkt oder fonßwie nennen, und die in einem beftimmten Augenblick vorhandenen hiftorifchen Bedingungen, ohne deren Wirken fich jener »Inßinkt« nie Bahn bricht; nicht-durcheinander werfen. Wie kann man das Auftreten des Antifemitismus, das fo viele enge Beziehungen zur Politik aufweilt, in einen prinzipiellen Gegenfatz zu politifchen Ereignilfen bringen wollen? Nur aus einer Vorurteifslofen Zufammenßellung aller Zufammenßöße, die das Juden^ tum als wirkende Gemeinfchaft mit einer andern Gemeihfchaft, in die es eingefprengt war, gehabt hat, können wir den Charakter des Antifemitismus für ein beßimmtes Land und eine beßimmte Zeit ergründen. Auch die Gefchichte des Antifemitismus im alten Ägypten und vor allem in Alexandria bietet dem Verfudhe einer einheitlichen Darfiellung feiner Erfcheinungsforriien und feiner Gründe Trotz und iß in mehrere Perioden zu fondern, deren erße von der Gründung der Stadt Alexandria bis zur Makkabäerzeit reicht. Im Beginn der Herrfchaft der Ptolemaier tragen hauptfächlich wirtfdiaftliche Umßände zur Belebung des Antifemitismus bei. Wie Alexandria für den ' Handel und die Indußrie Ägyptens von unvergleichlicher Wichtigkeit wurde, fo zog es auch Juden in Menge an / fie betätigten fich in Berufen, jeglicher Art und haben ez fchnell zu Wohlßand gebracht. Nicht als Sklaven und Lohnarbeiter gelangten fie zu Bedeutung, fondern durch ihre Befchäftigung mit Handwerk und Handel. Als Weber, Schmiede, Gold* und Silberarbeiter zeigten fie große Kunß* fertigkeit und machten die Rohßoffe Ägyptens nutzbar, für deren Aufnahme und Verarbeitung Alexandria allein in Frage kam. Als Kaufleute profitierten fie von der günßigen Konjunktur, die ihnen die Lage der Stadt für den inländifchen und Welthandel bot. Ihre Stellung als Bankiers, die fie fchon in der Perferzeit innehatten, werden fie in der hellenifiifchen Epoche nicht verloren, fondern ent* fprechend den Anforderungen der Großßadt ausgeßattet haben. Die fiarke Beteiligung an allen diefen lukrativen Berufen, zum Teil ihre Monopolifierung durch fie, mußte fchon im Anfang der Ptolemaierzeit auffallen und ihnen Mißgunß zuziehen. Diefe verßärkte fich im 2. Jahrhundert, als fich zahlreichen Juden durch die hohen Gewinne, die fie aus ihren Unternehmungen zogen, die Möglichkeit bot, die Steuern zu pachten. Unter den ägyptifchen Steuerpächtern des 2. Jahrhunderts treten jüdifche Namen fiark auf. Die Juden fieberten fich damit einerfeits zwar ein lehr einträgliches Gefchäft, zogen fich äber ändrerfeits einen verßärkten Haß zu, den ihr auffallend großer Anteil an dem zu unrechtmäßiger Bereicherung leicht verführenden und fözialen Haß in jeden Fälle fchürendeh Beruf erregen mußte.

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