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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 40

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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Hamßurget,%yQm Antisemitismus im aiten Ägypten 35Ä Jerufalem einrückte, richteten fich die Blicke der Konfervativen hilfe* flehend nach Ägypten. Als dann vollends Ahtiochus mit dem poli* tifchen Kampf gegen die Gegenpartei einen Kulturkampf des Hellenismus gegen das Judentum verband und ihn nach dem alten Rezept der Machtpol.itiker durch Eifen und Blut zu entfeheiden fidi vermaß, wandten fich die Sympathien der Juden insgefamt, auch der hellenifierten, dem Ptolemaierreich zu. Bevor durch die Maßlofigkeit des Vorgehens des Antiochos Epiphanes die makkabäifche Revo^ lution fich fiegreich Bahn brach, wanderten zahlreiche Juden nach Ägypten aus, und unter des entehrten. Onias hoheprießerlicher Leitung erwuchs in Leontopolis in Ägypten mit Zußimmung des ägyptifchen Königs Ptolemaios Philometor der neue Tempel, der Gewalt des fyrifchen Königs entzogen. Um diefes Heiligtum fiedelte fich eine antonome jüdifdie Kolonie an, die zur Stärkung des jüdifchen Einffuffes in Ägypten wefentlich beitrug. Sie hatte aktive politifche Bedeutung dadurch,- daß fie die Juden in die Lage fetzte, auch militärifch um einen Mittelpunkt geeint ihre Kraft in die Wagfchale zu werfen. So foll nach einer allerdings fehr zweifelhaften Überlieferung Onias Kleopatra, Philometors Gattin, mit einem Heer bei der Niederwerfung eines Aufftandes der Alexandriner unterßützt haben. Ebenfo ftand im Jahre 145 ein Heer unter Führung der jüdifchen Feldherren Onias und Dofitheos Kleopatra in ihrem Kampf gegen den "andern Kron^ prätendenten Ptolemaios Physkon zur Seite. Jofephus berichtet fogar, daß Philometor und Kleopatra ihr ganzes Reich Juden anvertraut hätten, und fo ift das Eintreten ihrer Macht für dies Herrfcherpaar im eigenen Intereffe recht begreiflich. Die Judenverfolgung in Alexandria unter einem Ptolemaier, auf die alle Berichte hinweifen, wird vermutlich im Anfchluß an Physkons Sieg über Kleopatra fiati> gefunden haben. Die Behandlung diefer Judenverfolgung durch die Gelehrten liefert einen Beweis dafür, wie verfehlt es ift, mit irgend welchen künftlichen Vorausfetzungen an das Problem des Antifemitismus her* anzugehen. Der Schweizer Gelehrte Felix Stähelin fieht ihn in einem Schlußwort zu feinem Büchlein »Der Antifemitismus im Altertum« als einen im letzten Grunde heidnifchen Inßinkt an, der von Zeit zu Zeit wieder hervorbricht. Gegen eine folefae Definition, fo fubjektiv fie auch iß, brauchte nichts eingewendet zu werden, wenn nicht Folgerungen aus ihr gezogen würden, die ein fchiefes Bild vom Antifemitismus geben. Dies iß aber zum Beifpiel bei Stähelin da der Fall, wo er die erfte Judenverfolgung von den fpäteren principiell fondert, weil ihre Motive »weniger im Raffenhaß als in der Politik zu fachen find«. Hier wird ihm unter der Hand das Motiv des Antifemitismus der Raffenhaß, und er fcheint dadurch geneigt, die Verfolgung unter den Ptolemaiern nicht als antifemitifche Bewegung hiftorifch einzuordnen. Auch andere Gelehrte betonen, daß es fich hier nicht um einen a^tifemitifchen Bürgerkampf handelte.

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