Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Hamßürger* Votn Anttfemitismüs tht alten Ägypten nadiweifen. Jüdifche Namen begegnen Uns zahlreich, ihre Träger find Steuer* oder Dömänenpächter, betätigen (ich im Händel oatt arbeiten als Tagelöhner / auch von jüdifchen Sklaven hören wir. Zwar werden wir das Zeugnis des Hißorikers Jofephus, daß es zur Zeit des Ptolemaios IL Philadelphos, alfo fpäteßens uni 250 vor Chr., fchon 110—120 000 Juden allein in Älexandria gegeben habe, für übertrieben halten ,• denn drei Jahrhunderte fpäter fchätzt man die jüdifdie Bevölkerung Alexandrias auf 200 000 Seelen bei einer Gefamtzahl von 1 Million Juden in Ägypten, und es iß zxx* zunehmen, daß ihre Zahl fich teils durch natürliche Zunahme, teils durch ßarken Zuzug infolge der weltwirtfdiaftlichen Möglichkeiten des Landes und der großen Auswanderung dorthin unter der Schreckensherrfchaft des fyrifchen Königs Aritiochos Epiphahes in Paläßina in viel höherem Maße vermehrt haben müßte. Daß aber die Juden auch zahlenmäßig fchon damals fehr ins Gewicht fielen, erfehen wir aus jener bis zur Mäkkabäerzeit anfchwellenden und auch in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts immer mehr anwachsenden Zahl von Papyri mit Beziehungen auf Juden und Judentum. - _ Auch ohne Beweife könnten wir daraus auf eine vom 3. Jahr** hundert an zunehmende aritifemitifche Bewegung fchließen. Praktifcfa fcheint fich diefe anfangs nicht Bahn gebrochen zu haben,- wenigfiens find die Überlieferungen, die etwas von einer Judenverfolgung unter den erfien Ptolemaiern willen wollen, ins Reich der Fabel zu ver* weifen und treffen erß für die makkabäifche Periode zu. Auch viele andere pofitive Angaben, die wir den Schriften des Philofophen Philon aus dem Anfang der chrifilichen Zeitrechnung und des Ge^ fehichtsfehreibers Jofephus aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Chr. über diefe Zeit entnehmen, müfien mit größter Skepsis be* trachtet werden. Denn beide find jüdifche Tendenzfchriftßeller, ihre Werke hervorgewachfen aus den Kämpfen ihrer Zeit, und fo find fie geneigt, in der Gefchichte der Vergangenheit die Beziehungen zwifchen Juden und Nichtjuden zu färben. Jofephus erwähnt, daß die jüdifche Bevölkerung in Alexandria von den Eingeborenen fiets. angefeindet worden fei, und hebt die Verleihung des Bürgerrechts an fie durch Alexander den Großen hervor, die ficherlich nicht fiatt> gefunden hat ,• ein Mittel zu einer Apologetik in den fchweren antisemitifchen Bürgerfämpfen feiner Epoche. Das waren bei der Auffaffung des Altertums von hißorifcher Wahrheit in fpäterer, von der Rhetorik beherrfchter Zeit durchaus erlaubte Methoden,- für uns aber verhüllen fie die Vergangenheit und find nur geeignet dazu, die Gegenwart des Schreibenden zu erhellen. Einen folchen Schluß aus den Schilderungen der Vergangenheit laßen für den Anfang der Ptölemaierzeit die Ausführungen des ägyptifefaen Priefiers Manetho zu, der unter Ptolemaios IL Phila^ delphos <285—246> eine Gefchichte Ägyptens verfaßte und in ihr den Auszug Israels aus Ägypten in offerifichtlich herabfetzender und