Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2827066-2827067-2827073--0378-2827479
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

354 Hamßarger, Vom Äntifemitismtis im alten Ägypten Nebenbei liegen auch Anzeicheti dafür vor, däß die Juden fdhoft unter der Perferherrfdiaft Geldgefchäfte betrieben haben und bereits damals die Bankiers Ägyptens waren / zwar wird uns von antifemitifchen Regungen gegen diefe kaufmännifche Betätigung der Juden, die für fie den Sieg des für gefchäftliche und diplomatische Beziehungen im Perferreiche gebräuchlichen Aramäifch als Sprache zur Folge hatte, nichts erzählt, bei der Art der Überlieferung kein Wunder /■ aber immerhin iß es intereflant zu konßatieren, daß die wirtfchaftlichen Tatfachen, die der Gefchichte der Beziehungen zwifchen Juden und Nichtjuden in Ägypten in helleniftifcher Zeit das Gepräge geberi> fich fchon in der Perferzeit bemerkbar machen. Auch nadi Befeitigüng der perfifchen Herrlchaft in Ägypten um die Jahrhundertwende fenkt fich für die kommende Zeit der Vor^ hang über den Schickfalen der ägyptilchen Judenheit nicht völlig.. Für die Gefchichte des Antifemitismus jedoch find die Dokumente aus diefer Epoche fpärlidi und belanglos. Auf keinen Fall aber kann von einer Ausrottung der Judenlchaft in Ägypten nach dem Sturze der Perferherrfdiaft die Rede fein, und die neue Zeit, die auch für die jüdifche Bevölkerung Ägyptens mit dem Hellenismus einfetzte, wurde nicht durch Änfiedlungen und Gründungen, wie die Tradition erzählt, künftlich herbeigeführt; fondern erwuchs organifch aus der Gefchichte der beftehenden jüdifchen Kolonien. Der jüdifch^ägyptifche Konflikt in Elephantine ift eine politilche Epifode in einer für die Gefchichte damals weniger bedeutenden Provinz des Perfifchen Reiches. Ein Jahrhundert fpäter war Ägypten einer der hißorifch bedeutfamften Teile der durch Alexanders des Großen Züge völlig veränderten Welt. Nur wenige Jahre war das Reich von ungeheurer Ausdehnung unter Alexanders Scepter vereinigt — fie genügten, um neue wirtfchaftliche Bedingungen für die einzelnen Länder zu fchaffen und kulturelle Schöpfungen auch in feinen entfernteften Teilen -hervorzubringen, die feinen Zerfall über** dauerten und maßgebend für die nächften Jahrhunderte, bedeutungs* voll für die ganze gefchichtliche Entwicklung wurden. Die HellenU fierung, die fich als Folge der Taten des fiegreichen macedonißhen Verehrers griechifcher Bildung vollzog, brach fich, im übrigen zu Kompromiffen mit der orientalifchen Kultur bereit, mit reißender Geich windigkeit Bahn, und als fein Wahrzeichen in Ägypten wuchs unter dem hellenifierten Herrfdiergefchlecht der Ptolemaier, der Nadi* folger Alexanders auf dem ägyptifchen Thron, Alexandria wenige Jahrzehnte nach der Gründung zur erften Stadt des Oftens, damals der Welt überhaupt auf. Stürmifch wie die ganze Entwicklung muß fich auch die neue Zuwanderung der Juden in das Ptolemaierreich vollzogen haben, Die Zeugniffe durch Papyri mehren fich ßark im 3. vorchriftlichen Jahrhundert. Nicht nur für Alexandria, fondern auch für andere Städte und Dörfer des Delta, Mittel* und Oberägyptens können wir aus unfern Dokumenten das häufige Vorkommen von Judem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.