Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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HamBurger, Vom Ahtifemttismus im alten Ägypten m Kultus und Wiederaufbau ihres Tempels entfpridit und fich voller Abfcheu über des Ffcfiungskommandänten Tat äußert, fein Beßreben, die Juden nach Möglichkeit zufrieden zu fiellen. In diefer guten Stellung der Juden zu derperfifchen Obrigkeit iß nadi meiner Auffaffung einer der wichtigfien Grunde diefer ver* (chwörung der ägyptifthen Priefier gegen die Juden in Elephantine zu fehen. Die Perferherrfdiäft war in Ägypten durchaus nicht be~ liebt, und wir wilTen, daß fie wenige Jahre nach den Ereignilfen, die wir berichtet haben, «jefiürzt und wieder durch ein einheimifches Regiment erfetzt wurde. Die Juden mußten unter diefen Umßänden den Ägyptern ein Dorn im Auge fein, weil fie auf gute Beziehungen zu der perfifchen Regierung hielten, während die Ägypter ihr ßändig Schwierigkeiten bereiteten und daher im Gegenfatz zu der fonfiig'en liberalen Praxis, der Perfer,_auch nicht für leitende Stellungen in der Verwaltung und dem Heere verwendet wurden. Jedenfalls liegen der Verfthwörung der Ägypter gegen das Zentrum der jüdilchen Kolonie, den Tempel, politifche, durch die Sonderfiellung der Juden gegenüber der perfifchen Fremdherrfchaft hervorgerufene Motive zu Grunde. Das wird außer durch innere aus den Urkunden er* (chlolfene Gründe durch einen diefelben Ereignilfe behandelnden Papyrus ausdrücklich beßätigt. Diefer fpricht unumwunden von einer Empörung der Ägypter und von dem Verrat der Prießer an der perfifchen Regierung, der die Juden treu geblieben feien. Hier tun Irir einen Blick in die politifchen Intereflengegenfätze zwifchen Ägyptern und Juden, die au fdem vulkanifchen Boden diefes vorgelchobenen und unfichern Pofiens des Perferreiches in Verbindung mit einem Auffiand gegen die Perferherrfdiäft zu dem erßen antife* mitifiheri Exzeß führten, den wir an der Hand unferer Urkunden flüchtig erleuchten können. Freilich richtet fich die Verfchwörung äußerlich allein gegen den jüdifchen Tempel, nicht gegen Leben und Befitz der Einzelnen, und ohne Zweifel wird bei den ägyptilchen Prießern des widderköpfigen Gottes Chnub der Gegenfatz zu der Religion des fremden Stammes, delfen Kultus ihnen ein Greuel war, eine bedeutende Rolle gefpielt haben. Im übrigen aber trat dies Moment zurück. Wir erfehen aus den Privaturkuhden die religiöfe Weitherzigkeit der Ägypter wie der in Ägypten wohnenden Juden im 5. Jahrhundert / da hören wir von Ägyptern, die zum Judentum übertreten, und von einer Jüdin, die bei der in Elephantine ver* ehrten Göttin Sati einen Schwur ablegt — was wie etwas ganz Natürliches erzählt wird — und in zweiter Ehe einem Ägypter die" Hand reicht. In einer fo toleranten Bevölkerung erklären religiöfe Gegenfätze allein eine fo fchroffe Stellung zu den jüdifchen An* fiedlern nicht. Ägypten als Befiandteil des Perferreiches liefert uns das erfie Beifpiel dafür, wie leicht die Flammen des Antifemitismus in einem Lande aufflackern, das unter einer unficheren Fremdherr* fchaft fleht und in dem fich das jüdifche Element als gefchloffene Einheit aus dem Volksköfper heraushebt /