Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2827066-2827067-2827073--0376-2827477- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
252 Hamburger, Vom Antifemitismui im alte« Ägypten in die Welt trat. Denfelben Gedanken vom hohen Alter de* Antifemitismus hat fchon vor Eduard Meyer Mommfen im 5. Band feiner .Römifchen Gefchichte in dem berühmten Kapitel »Judäa und die Juden« ausgefprochen. Von dem Judenhaß in den übrigen Teilen des perfifchen Reiches können wir uns keine deutliche Vorßellung machen,- wirerfehen aus jüdifchen Quellen die Tatfache feiner Bxißenz und auch die Gründe, die ihn erwaefafen ließen, vor allem den politifchen Gegenfatz, der zwifchen den andern Untertanen und den vom perfifdien Königtum profitierenden und ihrerfeits diefem wieder als loyale Stützen des Thrones dienenden Juden beßand. Über das Schickfal der Juden in Ägypten aber find wir durch Privat- und Staatsurkunden genauer unterrichtet, die in Afluan und auf der Nilinfel Elephantine vor einigen Jahren gefunden worden find. Durch fie haben wir Kunde davon bekommen, daß wenigßens in Oberägypten fich eine nicht unanfehnliche jüdifche Militär-Kolonie erhalten hat, was zufammen mit andern Beweifen einen Rückfchluß auf die Anfäffigkeit von Juden im ganzen Lande feit dem 7. Jahr-* hundert infolge der Anfiedlung jüdifcher Söldner in ägyptifchen Dienften erlaubt. Die Staatsdokumente ßammen aus dem Ende des 5. Jahrhundert vor Chr. und berichten von der Zerßörung des jüdifdien Tempels durch Kriegsvolk auf Befehl des perfifchen Feßungs* kommandanten, der von den ägyptifchen Priefiern dazu veranlaßt worden fei, fowie von der Beftrafung des Kommandanten und aller ' an der Zerßörung des Tempels Beteiligten durch den damals ab<* wefenden, dann aber wohl zurückgekehrten perfifchen Provinzial«- ftatthalter Arfames und von der Erlaubnis zum Wiederaufbau des Tempels. Hier tritt uns ein klar , bezeugter Gegenfatz zwifchen Ägyptern, als deren Führer in der Zeit der politifchen Leitung durch die Perfer die Priefier anzufehen find, und Juden entgegen. Diefer Haß zeitigt eine Wirkung in dem Augenblick, als es den Ägyptern ge* lingt, in der Perfon des Feftungskommandanten einen einflußreichen Perfer durch Verfprechung von Geld und Schätzen für ihre Pläne zu gewinnen,- in dem einen Dokument ift die Rede von den goldenen und filbernen Opferfchalen, die aus dem Tempel geraubt wurden, fowie von den Gütern, die fich der Kommandant angeeignet und dann bei feiner Beftrafung wieder verloren habe. Ganz deutlich aber wird aus den Urkunden, daß eine folche Unterftützung eines Anfchlages gegen die Juden durch einen hohen perfifchen Beamten oder Militär eine Ausnahme bildete. Die Dokumente laßen uns ein gutes Verhältnis zwifchen perfifchen Behörden und Juden er*- kennen : das Schreiben mit dem Berichte des ihnen angetanen Frevels an den Statthalter in Jerufalem Bagoas betont ausdrücklich die Unfchuld des Arfames an allem Unrecht, das man ihnen zugefügt habe, und hebt die offenbar durch ihn erfolgte fchnelle und harte Be* ßrafung der Schuldigen hervor. Ebenfo zeigt die Antwort des Bagoas, der dem Gefuche der Juden nach Wiederausübung ihres