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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 31

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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34Ä Livinfoün, Max Brods rdigiöfer Zionismus eine, durch Gewohnheit und Gefchickte geeignet erfcheinende, aus und nennt diefe Seite des Menfdientums Judentum. Das ift ihm Aus* erwählung, und jede Abweichung von diefem Gefetz ift ein Verftoß gegen den Geiß unferer Gelchichte. Auch der Kulturzionismus gibt dem Juden eine Miffion, allerdings eine irgendwie hiftoriich oder philofophifch aus dem nationalen Leben abgeleitete. Gleichviel, der Jude hat feine Miffion in der Welt! <Man denke an die ganz ähnlichen Ge^ danken bei Sombart!) Der Jude ift bedingter Menfch, und nur unter diefer Bedingung ift fein Leben wertvoll und verftändlich. Diefe Be* dingung, diefes Judentum älfo, ericheint bei Achad Haam anders als bei Buber, und hier anders als bei Brod. Aber gemeinfam ift ihnen die Perhorrescierung alles deffen, was Umfang und Begriff ,diefes Judentums überfchreitet. Aus diefem Gefichtswinkel betrachten fie <das Wort »betrachten« iß hier wie kein anderes am Platze) den Zionismus. Er iß ihnen Mittel zum Zweck. Damit ihr Judentum erhalten bleibt, muß auch die Judenßeit erhalten bleiben, und der Zionismus hat nur dann Wert, wenn er Geh die Verwirklichung diefes Judentumes zum Ziele fetzt <daher: ^//h/rzionismus). Es iß nicht zu leugnen, daß der Zionismus auf ganz anderem Holze gewachfen iß, und es iß Pflicht, unumwunden auszufprechen, was' uns von den Kulturzionißen trennt. Die Grundanfchauung beider Kreife iß eine völlig verßhiedene. Ja, fchon die Tatfache, daß der Zionismus überhaupt eine Welt- und Lebensanfchauung darßellt, wird vom Kulturzionismus mit der Behauptung beßritten, der Zionismus fei wefentlich Politik. Das foll nicht bezweifelt werden. Der Zionismus iß weßentfieß, ja er ifi ausßcßfießficß Pofitiü und nießts afs Pofitik. Das iß das Große an ihm, das Gewaltige, das Herzl von Rießer fcheidet: nationale Politik. Aber iß er deshalb der »edomitifche Greuel«, der in das »heilige« Land nicht hineingehört? Iß denn Politik gleichbedeutend mit Barbarei? Wird denn nur in Preußen Politik gemacht? Die Grundanfchauung des Zionismus iß die Ueberzeugung, daß die Juden ein Volk find, wie jedes andere, mit allen Vorzügen und Fehlern des Menlchlichen überhaupt. Judentum ifi darum nicht Befchränkung, fondern Ganzheit,- nicht eine befiimmte Auswahl aus der Fülle menfehlicher Fähigkeiten, fondern die Gefamtheit diefer Fähigkeiten, eigentümlich ausgeprägt in der jüdifchen Nation, gebrochen durch das Medium jüdifchen Lebens. Und wenn man die Erweckung bisher Ichlummernder Kräfte im jüdifchen Volke für Affimilation hält, dann iß der Zionismus allerdings Affimilation. Er fcheut diefen Vorwurf nicht, denn er weiß, daß diefe Affimilation nicht eine Ge* fährdung jüdifchen Wefens bedeutet, fondern feine vollfie Entfaltung. Auf diefer Grundlage hat Herzl gebaut. Er ifi uns weniger der erfolgreiche Staatsmann, als das Symbol des wiedererwachten jüdifchen Lebens. Bis dahin lag der politifdhe Trieb in Ketten, und gerade ßeine Erweckung ift dem Zionismus fowohl Ausgangspunkt als auch Beweis für die Richtigkeit feiner Grundanfchauung. Es ift eben nicht

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