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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 29

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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346 Levrnfoßn, Max Brods itefigiöfer Zionismus Es ift ohne weiteres zuzugeben, daß Brods These einen Fort> fdiritt darstellt, einen Fortfdhritt auf der Bahn, die zuerft Adiad Haam befchritt,< ein neues Stadium in dem Prozeß der Gegenwart, der die abftrakte Entfcheidung des einzelnen für die Gefamtheit mehr und mehr in eine aus dem Erlebnis geborene Hingabe verwandelt. Diefes Erlebnis ift Brod, wie Buber, Religion. Diefe Religion ift aber bei Brod völlig losgelöft von den Bedingungen des Raumes und der Zeit, die ihr im Affimilationsjudentum fowohl wie in der nationalen Religion Achad Haams und Bubers anhaften. Ob fidi das Religiöfe freilich in diefem wefentlich ontologifch fun* dierten Weltgefühl erfchöpft, ob es nicht im Grunde ethifch gefichtet und gewertet werden muß, diefe Frage liegt auf anderem Gebiet. Genug: religiös ift diefer Zionismus,- es fragt fich, ob er auch Zionismus ift. Es ift bereits angedeutet worden, daß in der Geburtsftunde des Zionismus zwei Gefahren die Judengemeinfchaft bedrohten und daß der Zionismus notwendig fich vorerft der einen von ihnen ent* gegenftellen mußte. . Das war die Exiftenzgefahr, der Antifemitismus. Hier knüpfte Herzl an die Emanzipationsbeftrebungen an, indem er die Emanzipation der Nation verlangte. Mit diefer Forderung (teilte er fich aber implicite bereits der andern Gefahr, der Gefährdung unferes Wefens, entgegen. Er richtete nämlich fein Manifeft, wie bekannt, in erfter Reihe nicht an die andern, fondern an die Juden,- nur unter der Vorausfetzung des Zufammenfchlufles der Gefamtjudenheit zum Volke konnte er fein Programm überhaupt aufftellen. Es enthielt darum als erften Punkt die-Absage an die Affimilation, als einer willensmäßigen Entfdieidung der Judenheit. »Wenn ihr wofft, ift es kein Märchen.« Nun ift nicht zu beitraten, daß die Affimilation kein bloßer Willensfaktor ift, und das überfah Herzl' zunächft/ er erkannte nicht, das es noch zwei andere Arten der Affimilation gibt, zwei Arten allerdings, die nur unter der Vorausfetzung einer längeren Dauer der Diafpora in Frage kommen, einer Vorausfetzung, welche für den ursprünglichen Zionismus Herzls bekanntlich nicht zutrifff. Diefe Affimilationsarten unterfcheiden fich von der willensmäßigen und darum fubjektiven dadurch, daß fie unabhängig von jeder Willensbetätigung und darum objektiver Natur find,- fie betreffen aber zweierlei. Die eine bezieht fich auf die im Menfchen vor^ handenen Kräfte, die andere auf die Art, wie der einzelne und die Gemeinfchaft die Kräfte verwirklicht Jene trifft den Stoff, diefe die Form unferer Eigenart,- jene macht unfer Können den andern gleich, diefe unfer Sein, unfer Wefen. Wie man fich zu beiden ftellt, hängt mit einer anderen Frage zufammen, mit der Frage unferer Auserwähltheit Wir find es und wir find es nicht. Wir find es nicht, wenn man, wie Brod, unter der Auserwähltheit eine Verfchiedenheit von den andern verlieht, die in dem plus oder minus von menfch* liehen Fähigkeiten befteht. Genau^ die gleichen Kräfte find in uns

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