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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 26

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Levinfoßn, Max Brods religiöfer Zionismus 343 MAX BRODS RELIGIÖSER ZIONISMUS®) Es unterliegt keinem Zweifel, dnß der Zionismus nicht nur graduell einen Wendepunkt in der jüdilchen Gefchidite bedeutet: gerade fein Prinzip muß vielmehr als das eigentlich Neue angefehen werden,- feine Gfundanfchauung vom Wefen unferer Lage und von der Möglichkeit ünferer Befreiung iß der vollkommene Gegenfatz alles deflen, was die Generationen der Emanzipation von der Zu* kunft hofften und verlangten. Und doch iß der Zionismus in gewilfem Sinne die Fortfetzung und Umwandlung der Emanzipation: Die politifche Reife unferes Volkes wurde durch die Emanzipationskämpfe vorbereitet, durch Herzl zum Abßhluß gebracht, und ihre Frucht fehen wir heute in Rußland und Amerika. Konnte alfo hier der Zionismus anknüpfen, war er hier innert lieh Fortfetzer und Umgeßalter, fo wurde er auf einem anderen Gebiet zur Oppofition ohne innere Verknüpfung, zur bedingungs* lofen, * radikalen Opposition; Denn wenn auch die Emanzipation die Löfung der Exißenzfrage vorbereitete, fo führte fie doch auf der anderen Seite eine ßarke Gefährdung unferes Wefens mit fich: die Affimilation. Gegen fie wandte lieh Herzl mit der gleichen Entfchiedenheit wie gegen den Antifemitismus. Dem individuellen Streben nach Freiheit (teilte Herzl die nationale Forderung entgegen. Aber merkwürdig! Aus dem Angreifer ward in kurzer Zeit der Angegriffene. Hatte Herzl die Affimilation bekämpft, fo mußten fich feine Anhänger von einem Manne aus dem Ofien fagen lalfen, auch der Zionismus fei Affimilationsprodukt, ihm fehle nichts — als das Judentum. Diefer Mann war Achad Haam, der Begründer des Kulturzionismus, der feine Aufgabe in der Er^ gänzung des unjüdifchen politifchen Judentums fieht. Iß also der Zionismus der Vollßrecker der Emanzipationsideen, freilich auf nationaler Grundlage,- fo fucht der Kulturzionismus diefem, wie er meint, an fich kulturlofen Unternehmen ein Judentum zur Grunde läge und zum Ziel zu machen; Was freilich Judentum fei, hat er noch nicht eindeutig beantwortet. Das war, fagt man, die zweite Phafe. Die dritte will jetzt Max Bröd einleiten, und er nennt fie: Weltgefühl — nicht Welt* anfehauung, das wäre zu weit für das, was er meint — eher religiöfer Zionismus, wie es neulich im »Judop« zu lefen war. Was iß hier religiös, und was Zionismus? Brod will den Zionismus jüdifch machen, wie es Ächad Haam und Buber vorher verfocht haben. Er kommt aber zu anderen Refultaten, da er das Judentum anders faßt äls feine Vorgänger. Für Achad Haam iß Judentum ein beßimmter Ideenkomplex, ins* •> Der Auffatz ift anläßlich eines Vortrages von Max Brod über »Jüdifdxes WeltgefühU gefdirieben. Der Verf.

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