Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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342 Pi'cfij Berüfsumfchichtung unferes Volkstumes in Paläfiina werden diefe Forderungen irdifcher Gerechtigkeit von vornherein unzweifelhaft in die Erfcheinung treten. Wir find immer ein foziales Volk gewefen. Für uns handelt es fich darum, unfere allgemeine Einßellung auf diefen Zußand allmählich vorzunehmen und für den Einzelnen neue Brücken für die Ueberfiedlung zu fchlagen. Zum Schluß alfo die Fefifiellung: Nicht das Aufgehen im Brotberuf iß das Ideal! Erwerbsarbeit und Lebensziele müflen fich auch im Zukunftsßaat nicht decken. Ueberhaupt fcheint mir die Art der fachlichen Betätigung des Durchfchnittsmenfchen ziemlich unwefent* lieh. Zur Begründung diefer Behauptung würden wahrfcheinlich die ausgedehnteßen philofophifchen und religionsgelchichtlichen Ausflüge notwendig fein, beginnend mit der Bibel, die in der Entßehung der Arbeit für den Broterwerb die Strafe für den Sündenfall Geht, und mündend in der fouveränen Verachtung des »Frohndens«, die jeder Kulturmenßh ab und zu infiinktiv empfindet. Man kann von diefer Beweisführung abfehen, da es ja nur gilt, vor der Ueberfchätzung der Berufstätigkeit in der Bewertung der Perfönlichkeit zu warnen. Für den Organismus der Gefellfchaft iß natürlich die berufliche Betätigung des Einzelnen felbßverßändlichße Notwendigkeit, ob aber der fozialifiifche Achtßundentag durch Büro- oder Schmiedearbeit ausgefüllt worden iß, foll im gefellfchaftlichen Abendverkehr, auch im öffentlichen Lebender Gemeinde, ganz ohne-Bedeutung fein. Solange wir die Ergebnifle der Einheitsfchule in Europa noch nicht haben, folange die Umgeßaltung der fozialen Schichten noch nicht vollzogen iß, iß es fchwer, den Anfang mit diefer perfönlichen Berufsumfehichtung zumachen. Solange im gefellfchaftlichen Verkehr die alte kapitalißifche Wirtfchaftsfiruktur noch maßgebend fein wird, kann der Einzelne nicht ohne Ueberwindung geloben: »Mein Sohn Benjamin, der weder zur Bildhauerei noch zur Tieffeeforfchung unbefireitbare Neigung und Anlage zeigt, foll zum Zwecke des Broterwerbs Bäcker oder Tifchler werden.« Leichter wird es fein, wenn jedermann vorausfetzen wird, daß der Sohn Benjamin vor Eintritt in feinen Beruf fozufagen »das Einjährige« gemacht hat und den Refi des Arbeitstages dazu benutzt, um manikürt und gefcheitelt mit in Klub und Häuslichkeit anderen Idealen zu widmen. Innerhalb unferer Gemeinfchaft müßte es immer mehr junge Leute, Handwerker und Facharbeiter geben, bei denen diefe Vorausfetzungen vorliegen, die im fpäteren Pafäßina eine Selbßverfiändlichkeit fein follen. So* lange diefe allgemeinen Unterlagen fehlen/muß das Opfer geminderter Wertfehätzung feitens der Allgemeinheit getragen werden in dem Bewußtfein, einen für die Ueberfiedlung geeigneten Beruf fich erwählt zu haben. Triedersdorf Rudolf Pic6