Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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\ ' / Pkt, Bcfufsuüirditditung 34} Nicht in der Verfchmelzung von Brotberuf und Lebensßreben tft das Ideal zu fehen. Das iß eine menfchlidi*perfönliche An-* gelegenheit, die nur einzelne Berührungspunkte mit der ron uns erkannten Notwendigkeit der Berufsumfdjichtung hat. Unfer fna* tionales Problem erfordert eine andere Löfung. Wir müffen Ernft damit machen, in unferen Anfchauungen die Verknüpfung auf* jzuheben, die unfere Menfchen ihrer Wertung nach ihrem Brotberuf unterwirft. Der viel gefchmähte, unferen paläßinenfifchen Volks** äufbau angeblich gefährdende Amerikanismus mit feinem »mißef prefident« foll eher ein Vorbild für uns fein, als der europäifch* orientalifche Kaßengeiß. Alle ehrlichen Arten des Broterwerbs müssen uns ernstlich gleich erfcheinen. Die Berufswahl müßte von nationalen und sozialen Gefichtspunkten in annähernder Übereinßimmung mit perfön* liehen Anlagen fich vollziehen und vor überholten Vorurteilen nicht Halt machen. Die Uebertragung des an fich richtigen Jichusbegriffes auf geißige Erwerbsberufe iß unbegründet. Ein jeder von uns weiß, daß es nicht fchwer iß, Arzt oder Anwalt zu werden. Ein wenig Geld, etwas eigene oder elterliche Energie genügen meißens, um einen durchschnittlich begabten Knaben durch Klaffen und Examina zu jagen. Der Erfolg iß dann der Akademiker, der nach noch gültigen Begriffen von vornherein Anfpruch darauf hat, zu den Notabein zu gehören. Sein Brotberuf trägt ihm diefe Wertung ein. Wir empfinden, daß diefes fozialem Denken widerfpricht. Diefem Grundfatz fcheinen überdies auch urfprüngliche jüdilche Ideen entgegengefetzt. Man denkt feiten daran, daß foviele der an der Abfaffung des Talmud beteiligten geißigen Größen Handwerker gewefen find, daß heute noch im Oßen der Gatte und Helfer der jüdifchen Eier* und Geflügelhändlerin dem Geifiesadel des Volkes angehört und weit davon entfernt iß, einer allgemeinen Wertung nach feinem nebenfächlichen Brotberuf zu unterliegen. Diefe An* fchauung müßte Allgemeingut werden. Nicht nur Bauern, auch Müller und Bädcer, Schmiede und Zimmerleüte, Maurer und Schloffer, Schußer und Schneider find für. den Aufbau eines Volkes notwendig. Krieg und Revolution haben die Wirtfchaftsfyßeme aller Völker ins Wanken gebracht. Entfprechend ihrer für das Volksganze gleich wichtigen Tätigkeit werden Fach* arbeiten und Handwerker materiell mindefiens die gleiche Entlohnung finden wie der durchßhnittliche Kopfarbeiter. Das wird nicht wunder nehmen, wenn man fich daran gewöhnt haben wird, den Begriff der Leißung zu objektivieren. Wenn alfo in einem foziafen Staate das materielle Erträgnis ^ür alle gleichwertige Berufsarbeit ungefähr auch gleich hoch feit wird, dann bleibt nur übrig, auch den außerberuflichen Persönlichkeitswert der einzelnen Bevölkerungskiaffen durch die Möglichkeit des Erwerbes gleicher Allgemeinbildung auszugleichen. Bei dem Neuaufbau