Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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340 Picß, Berufsumfchi(fitun£ Wir haben, glaube ich, im allgemeinen das Problem unter einem falfchen Gefidhtspunkt angefehen. Uns fchien die Einheit zwilchen Lebensltreben und Erwerbsberuf als das unbedingte Ideal. Iß diefe Anfchauung begründet? Liegt das Problem in der Tat* fache diefes Zwiefpaltes, der demnach zu beheben wäre? In feinen bleibend wertvollen »Probleme im modernen Judenj tum« fchildert Emil Cohn den Typ des jüdifchen Akademikers, der, ohne den jüdifchen Durchfchnitt zu überragen, doch meiftens beruflich recht tüchtig ifi, trotzdem aber ein Leben führt, delfen geiftige und gefühlsmäßige Inhalte auf anderen Intereflengebieten liegen. Im Bedauern über diefe Erfcheinung fcheint für Unaufmerksame die Sehnfucht nach einem Typ zu liegen, delfen innere Einheit durch , das Zufammenfallen ^on Brotberuf und Lebensltreben be* gründet wird, einem Menfchen, der die Grenzen feines Berufs nach feinen Anlagen erweitert und ausfüllt und in ihm reftlos Be* friedigung findet. Wir kennen diefen Typ. Er ift kein Ideal in unferem Sinne. Er nimmt körperliche Formen an, wenn wir an den jüdifchen Re* ferendar denken, der eine folche Liebe zur Jurifterei hat, daß er nur in jurißifchen Gedankengängen lebt, für nationale und foziale Fragen nur ein untergeordnetes Standesintereffe hat und nur berufliche Leifiutigen gelten läßt. Solche Berufsmenfchen, die werN volle Zuchtexemplare fein mögen und die Menfchheit durch fach^ liehe Leißungen weiterbringen, find und follen Ausnahmeerfcheinungen bleiben. Es gibt noch einen anderen Typ, bei dem Lebensfirfcben und Beruf miteinander verfchmolzen find. Er wird vertreten etwa durch den paläfiinenfifchen Landarbeiter, der fozialethifche Beiträge für jüdifche und fozialifiifche Zeitfchriften liefert und dem das körper* liehe Arbeiten weniger Gewohnheit und Bedürfnis ifi als vielmehr Ausgangspunkt oder Ergebnis fittlich^philofophifcher Forderungen. Auch diefen Typ können wir kaum als Ideal bezeichnen. Bei diefem ifi das Arbeiten etwas, was durch Probleme befchwert, von Forderungen abhängig, aus der Sphäre körperlicher Natürlichkeit gehoben ifi. Vielleicht wird diefe Beurteilung Widerfpruch erregen. Deshalb muß fie einer kurzen logifchen Unterfuchung unterworfen werden. Im Verhältnis des Arbeiters zu feiner Tätigkeit halte ich für das Primäre die Arbeit, Nach dem Gefichtspunkt ihrer Förderung find die Beziehungen des Schaffenden zum Werk zu bewerten. Wenn ich ein Rübenfeld umgraben muß, ifi es von Unwert für diefe meine Tätigkeit, wenn ich fie mit irgendwelchen Problemen verbinde. Ich foll ja im allgemeinen nicht zwecks Hebung meines perfönlichen Wohlgefühls arbeiten, fondern des Rübenfeldes -jwegen. Nur nach dem Maß der von mir um* gegrabenen Fläche ifi mein Wert als Arbeiter abzufchätzen, nicht nach der Intenfität meiner Liebe zur Arbeit. Auch diefen Typ der Einheitlichkeit halte ich nicht für eine höchfte Entwicklungsftufe*