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Der jüdische Wille · 1919-02-01 · Heft 6 (Februar 1919) · page 22

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 6 (Februar 1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Picfij Berüfsumfdiiditting r BERUFSUMSCHICHT UNG Die Erkenntnis, daß die ungünftige Berufsfchichturig 'der Juden als eine der Wurzeln der fogenannten Judenfrage gelten muß, iß kein Erzeugnis nationaljüdifcher Gedankengänge. Die Anfänge einer hier einfetzenden Aufklärungsarbeit reichen fchon viele Jahr* zehnte zurück. Größere Refultate find noch nicht erzielt worden. Noch immer fcheint der Jude zum Käufmanns- oder Akademiker* beruf geboren zu fein. Die Erklärung hierfür ifi nicht in der an* geblichen Scheu der Juden vor körperlicher Arbeit zu fuche^n, fondern neben den Gefetzen des hiftorifchen Werdens ifi: die vielgerühmte jüdifche Elternliebe fchuld daran / in Verbindung damit aber auch das typifche Streben nach »Jichus«, das felbft den aufgeklärten Juden erfüllt. »Mein Kind foll einmal mehr werden als ich«,, ifi: der "Grundfatz, der den armen Juden dazu treibt, den Sohn möglicfafi. ßudieren zu lallen. Eine peinliche Sorgfalt, mindefiens die erreichte fpziale Stufe auch der Nachkommenfchaft zu refervieren, veranlaßt den jüdifchen Akademiker, auch feinen Sohn zwifchen den Lauf* bahnen des Juftiz* oder Sanitätsrats wählen zu laflen. Eine kaum ins Gewicht fallende Verbeflerung hat vor wenigen Jahrzehnten begonnen, als die technifchen Hochfchulberufe den Jichus* anfprüchen zu genügen anfingen. In neuerer Zeit hat dann der land* wirtfchaftliche Beruf etwas Feld erobert. Auch dabei ifi das theoretifch oft maßgebend gewefene foziale Streben meift überwuchert von dem Berufsideal des Großgrundbefitzers oder Infpektors. Man kann fehr woht behaupten, daß nicht fehr viele Juden Bauern geworden find. Der jüdifche Handwerker ifi faß ausgeftorben, ifi: Kaufmann oder "Fabrikant geworden, der jüdifche Linterbeamte hat aus erklär* liehen Gründen überhaupt nur in einzelnen Exemplaren befianden. In dem verftärkten Befireben, eine Aenderung herbeizuführen, hat die national gefinnte Jugend nun überwiegend die Landwirt* fchaft zum Ideal erhoben. Das fauftifche Sehnen nach produktivem Schaffen vereint fich hier mit der Erkenntnis delfen, was dem Volke fehlt, und mit der perfönlichen Hoffnung, durch die Wahl diefes Berufes fich Ueberfiedlungsmöglichkeiten für Paläfiina zu fchaffen. Die verwandten Berufe des Gärtners und Züchters fcheinen auch geeignet, eine Grundlage für diefes Streben zu bilden. Zwar wird ihrer Hände Arbeit allein es den meiften noch nicht ermöglichen, das ihnen vorfchwebende Ideal eines paläfiinenfifchen Plantagenbefitzes zu erreichen, aber immerhin ifi die Möglichkeit einer praktifchen Löfung für den Einzelnen damit gegeben. Das allgemeine Problem einer Berufsumfchichtung harrt jedoch weiterhin der Löfung. Es liegt tiefer und ifi in der ganzen bis* herigen Stellungnahme zu der kapitalifiifchen Wirtfchaft verankert. Der Zwiefpalt zwifchen Lebensaufgabe und Brotberuf, die foziale Wertung des Einzelnen nach feinem höchß privaten Broterwerb fchdrieri die Wurzeln des Übels iu fein.

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