Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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RosenBauntj Über jüdifche Gemeirifdiafts-Erziehung in DeutfdMand 337 Vom jüdifdien Heldentum, alten wie neuen, wollen wir unfere. Jugend fchwärmen laffen, und wollen dabei nicht vergelten, daß auch unfer jüdifches Heldentum zu aller nationalkräftigen Zeit mehr ein Heldentum der Tat als des Duldens war. Wir wollen ja Tat* menfehen erziehen. Das Heldenbuch der Jugend aber fei das nämliche wie das des erwachfenen Juden: die Bibel. Schafft jüdifche Jugendbibeln. Leß felber Bibel. Nicht, wie ein gebildeter Deutfcher den Fauß ließ: grüblerifch oder genießend, fondern fo, wie eben nur jeder gebildete wie ungebildete, mit jüdifchem Willen ausgezeichnete oder jüdifch unwilfende — Jude die Bibel lefen kann: als ein Stüde feiner felbß. Macht die Bibel zum jüdifthen Volksbuch. Im Haufe wie im Jugendheim. Dann gebt ihr im Verein mit der hebräifchen Sprache die beße jüdifche Erziehung! Seht, wie nicht der Fauß, fondern unfere Bibel das Hausbuch auf dem deutfehen Lande iß, und errötet, dies Buch aus dem geißigen Befitz verloren zu haben. Das Jugendheim muß dem Jugendlichen die Bibel zu eigen machen. Aeußerlich wie geifiig. Gleichfam als Grundlage einer Bücherei, bei der ja jede Rückficht auf Umfang hinter der Rückficht auf den Wert zurüd<zußehen hat. Wer forgfältig unfere Bibliotheken - durchgefehen hat, wird Dutzende von Ungeheuerlichkeiten zu Tage gefördert haben. Es iß damit wie mit unferer fogenannten jüdifdien Kunfi, in der oft eine gute Abficht den Kitfdi die Kunß überwuchern ließ. Noch einmal: lieber befcheiden mit wenig Gutem vorlieb nehmen als großfpurig mit Vielem und Mangelhaftem eine künstliche Inkon* gruenz zwifchen Jüdifchem und äfihetifch Edlem fchaffen. Gilt es doch gerade in unferer Jugend ein ficheres Gefühl des nationalen Gefchmacks und des nationalen Ehrgefühls großzuziehen. So fernab für das Auge unferer. Jugend von jüdifchem Zukunfts* willen politifche Betriebfamkeit und gleisnerifche Mache liegen muß, fo wenig darf fich jüdifcher Wert mit äßhetifchem Unwert berühren. Es darf keine Kluft zwifchen nationalem und äßhetifchem Gefchmack geben. Seien alle nationalen Werte, die wir der Jugend bieten, fo befcheiden, wie fie fein mögen, fie mülfen rein und ehrlich fein. Es iß keine Schmach, am Anfang einer Kultur zu ßehen, aber es iß eine, fie durch Anleihen und unnatürliche, überfchnelle Bildungen zu verunßalten. Eine Kaninchenzucht in unferem Landheim mag klein fein, iß fie nur fauber und wirklich felbfigezogen, iß fie hundertfach wertvoller, als eine durch Ankäufe und gemietete Pflege verbelferte. Und wie im Einzelleben Reinheit und Wahrheit, foll auch im erlebten Nationalen Kulturreinheit und einfache Klarheit herrfchen. Das iß der nationale Gefchmack, diefe Kongruenz zwifchen Jüdilchem und Vollkommenem, der unferer Jugend als ewiger Befitz eingeimpft werden foll. Nationaler Gefchmack und nationales Ehrgefühl. Denn diefes neue, werdende, einfache, reine Judentum wird unfere Jugend lieben und wie alles Geliebte von jeder Befleckung rein willen wollen. Ein neues jüdifches Ehrgefühl wird fo auf der Grundlage diefes