Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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336 RosenBaum, Über jüdifche Gemeinfifiafts-Brziehung in Deutfchfand iüdifchen Geißes, das befte Mittel, ein jüdifches Empfinden der irgend zu eigen zu madien. Dazu gehört aber, daß Hebräifch mit Luft und Liebe getrieben wird. Von innen heraus. Ohne Zwang und ohne Affektation. Wenn wir Humaniften heute im Felde es erleben muffen, wie wenig die vielen franzöfifdien Unterrichtsftunden unferer Sdiulzeit uns zu einer franzöfifdien Sprachkenntnis verhelfen haben, wie wenig uns NichtJPhilologen das grammatifche Syftem eingebracht hat, fo kann für uns nach diefer traurigen Erfahrung gar kein Zweifel darüber befiehen, daß für den hebräifdhen Unterricht unferer Jugend ein anderer Weg einzufchlagen ift. Hat uns doch die Schule jede Freude am Erlernen von Sprachen genommen, jedes Extemporale einen neuen Haß gegen Grammatik und Vokabular eingepflanzt. Hüten wir uns ja, durch ein ähnliches Syftem einen Vergleich mit der Schulmethode herauf^ zubefchwören, eine lebende Sprache der frei gewählten Liebe gewaltfam zu ertöten. Gerade .dadurch, daß der jüdifdhen Jugend hier ein förmlich entgegengefetztes lebendiges Syftem des Sp achunterrichts geboten wird, foll die Luft zum Lernen erweitert und erhöht werden. Die hebräifche Sprache foll ein Teil unferer Jugendgemeinfchaft werden. Im Umgang, von Mund zu Mund, vom Älteren zum Jüngeren, vom Führer zum Wanderer foll fie jedem einzelnen zum Eigentum, eine wahrhaft lebende Sprache, ein febfterworbener Befitz des einzelnen werden. Man lerne hier gleich mit der Erkenntnis von Buchftaben und grundlegenden, einfachften Grammatikregeln jeden Gegenftand des täglichen Gebrauchs bezeichnen und verlangen, man lerne in naturgegebener Folge hebräifch fingen, fprechen, lefen, fchreiben und zuletzt erft grämmatifch den Sprachgeift beherrfchen. Dann wird Luft und Liebe unfer Hebräifch fchneller uns zu eigen machen, als befter Wille und philologifcher Fleiß allein. Dann wird uns auch, aus unferer fomit uns natürlich zu eigen gewordenen Sprache der Geift des Hebräifchen zur Erkenntnis kommen» Das fchulüberlaftete Hirn wird zum hebräifchen Lied, zum hebräifchen Spiel, fchließlich zum hebräifchen Gefpräch, zum hebräifchen Buch wie zu einer Erholung fich flüchten. Daß dabei auf unfere fchulerworbene grammatifche Bildung nicht voll verzichtet werden foll, mag noch feine Betonung finden. Aber das Wefentliche unferes arachunterrichts foll die natürliche, halbfpielerifche. im täglichen ngang fußende Methode werden. Nur fo wird Hebräifch unferen jugendlichen Gemeinfchaften die markantefte jüdifche Note geben. Daß daneben die jüdifche Märchen* und Sagenwelt einen bedeutenden Beftandteil der nationalen Erziehung bildet, bedarf heute keiner Erwähnung mehr. Märchen und Sagen find das gefchichtliche Gedächtnis eine« Volkes. Mit deutfeher und heflenifcher Geiftes* und Helden weit pfropfen wir ein fremdes Reis in unferen Stamm» bringen unferen Kindern Begriff« und Wertungen, die der entjudenden Arbeit der Schule auf aas wifkfamfte VorTpann leiften.