Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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RosenBaum, Über jüdif&e Gemeinf&afts-Ersiehung in Deutftfilahrf 333 der Blau*Weißen in Gruppen entßehen follte, fo wird doch die wefentficfie, die jüdilche Seite des Gemeinfthaftslebens alle immer wieder vereinigen. Man fuchte dies Jüdifche durdi Belehrung zu erwecken und zu vertiefen, und je weniger im reltgiöfen Judentum eine Gemein*, famkeit aller fich finden ließ, um so eher wurde man geneigt, das* Oftjudentum,' fo gut oder fcnledit man es verßand, als Leitßern des Jüdilcher*Werdens hinzunehmen. Ofijudentum als Lehrfach follte uns die jüdilche Seele bringen. Dadurch kam in das Leben des Blau-Weiß eine Ichulmäßige Art hinein, die für einzelne fchon in Gedankenverbindung mit dem Pennalbetrieb an und für fich etwas Pein volles erhielt, vor allem aber in ihrem Erfolge in ausgedehntem Maße abhängig von den Eigenfchaften des Lehrers wird, wie alles Schulmäßige. Dies iß der wundeße Punkt. Gleichaltrige — und bedeutend iß der Linter* fchied zwilchen Führer und Wanderer naturgemäß nie — können wohl Erzieher und Vorbilder fein, Anregungen in weitefiem Maße geben, werden aber als Lehrer in den meifien Fällen verfagen. Zumal hier, wo ein Lehrplan fehlt, wo vom Gegenfiand des Unterrichts, fei es das Leben der Ofijuden oder fei es auch die jüdifdhe Gefchichte oder die hebräifche Sprache, eine lebendige Vor* ßellung dem Lehrer abgeht. Damit iß der geringe Erfolg diefer Lehrbeßrebungen hinlänglich erklärt und die Frage, warum aus dem intenfiven jüdifchen Willen fo feiten ein reges jüdifehes Leben erwacht, beantwortet. Aus einem Lehrbetrieb kann im Blau*Weiß jüdilches Leben nicht erßehen, weil er nicht lebensvoll genug iß. Die jüdifche Seele kann nicht erarbeitet, fie will erlebt werden. Das Gemeinfchaftsleben, wie es in den Arbeitsßätten unferer Stadtheime, in den Gärten der Landheime, auf den Spielplätzen der Jugendriegen fich abfpielt, muß diefe Kraft hergeben. Es gilt, dies Leben fo tief jüdifdi auszugeßalten, daß es von felbfi eine jüdilche Form annimmt. Was iß jüdifch? Es iß nötig, diefe Fragenhydra einmal an* zupacken. Heute iß jüdifih dem einen dies, dem anderen jenes. Und wie in den Romanen der Gegenwart der Jude bald als über* aus zerfplittert, bald als überaus einheitlich, hier als alllcflöpferifch, dort als allzerfetzend, einmal als höchfi affimiliert, das andere Mal als alles affimilierend charakterifiert und doch bei aller Gegen* fätzlichkeit jedesmal als der jüdilche Typus hingefiellt wird, fo er* leben wir es bei uns Tag für Tag, wie dem einen eine ßudentifdie Kneipe, dem anderen eine Nachtwanderung als das typifih Un* jüdilaie erf&eint, und (chließjidi jeder' das als unjüdifch zu be* zeichnen fidi herausnimmt, was feiner eigenen Natur zuwiderläuft, als befäße er die Echtheit feines jüdißien Empfindens verbrieft. Auf der anderen Seite verfocht man in weiten Kretfen das Oß* Judentum als das einzig echte, eigentlich Jüdifche hinzußellen/ und dies um fo ent&hiedener, je entfernter man von einer Berührung