Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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326 Barth Juden und Judenpolitik Plakate im Innern des Gebäudes in polnilcher und deutfeher Sprache <-*■ nicht in jidifcher —' und verlchrieb fich Soubretten aus Deutfchland, die ein fürchterliches Gemaufchel vollführten, ohne daß dies irgend* ■welchen Widerfpruch hervorrief. Man kann von einem Willen zur jidifefaen Sprache nicht fpfechen. Die Zionifien verfügen über die relativ befte Organifation und find die aktivfte der Parteien. Sie haben einen Stab von Führern, die eine gewiffe politifche Schulung befitzen, wenn fie auch in diefer Hinficht den Polen und den Affimilanten unterlegen find. Die Arbeit leidet an einem Mangel an Stetigkeit, die Mitgliederzahl fchwankt ganz bedeutend. Sozial betrachtet gehören die Zioniften einer ziemlich eng umriffenen Mittellchicht an, über und unter die fie feiten hinausreichen. Durch die Studentenvereine fcheint indeffen der Boden für eine Propaganda auch in anderen Kreifen vorbereitet zu werden. Der zioniftifche Gedanke hat jedenfalls auch außerhalb der organifierten Zioniften ftark Wurzel gefchlagen,- und auch die Preffe der Volkspartei bringt häufig zioniftifche Artikel. Ein vom Zentral* bureau gefthickt veranftaltetes »Plebiszit für Paläftina« hat eine viertel Million Unterfchriften erhalten. Aus der Tätigkeit der Zioniften muß noch befonders auf das hebräifche Schulwerk hingewiefen werden, das zahlreiche Volks* und höhere Schulen umfaßt. E)ie letzteren find nicht von der Organifation, fondern von Einzelperfonen oder Komitees veranftaltet und aus* nahmslos ftark bgfucht. So beliehen in Warfchau allein vier »Gym* nafien« der Begriff dedkt lieh nicht mit dem des deutfehen Gymnafiums oder Realgymnafiums — und Handelsfchulen, in denen dem Hebräifchen ein großer Raum gewährt wird, in Lodz neben dem von Braude geleiteten Gymnafium die Mittellchule Jabne, in der der gefamte Unterricht außer dem in fremden Sprachen ausnahmslos hebräifch erteilt wird. Ich hörte dort u. a. eine Chemieftunde und habe mich davon überzeugen können, daß der Gebrauch des Hebräifchen gar keine Schwierigkeiten verurfachte. In den Volksfchulen wird ebenfalls Bibel, jüdifche Gefchichte, Geographie Paläftinas und hebräifche Sprachlehre hebräifch vorgetragen, und in den Kindergärten werden die Kleinen »fpielend« an den Gebrauch diefer Sprache gewöhnt. Vorbildlich ift der Geift der Schule. Der Lehrplan bringt eine vorzügliche Synthefe jüdifcher und allgemeiner Bildung hervor. Der Unterricht in den allgemeinen Fächern ift dem Milieu angepaßt,. in dem die Kinder aufwachfen, und die jüdifchen Gegenftände werden zwar pietätvoll, aber in durch* aus modernen pädagogifchen Formen gelehrt. Ganz anders ift es in den von der orthodoxen Vereinigung eingerichteten gehobenen' Cheder*Schulen. Sie find nur in zwei bis drei Nachmittags*Stunden »gehoben«, unterfcheiden fich fonft nicht von den ungehobenen und mülfen die Kinder den unheilvollen Riß empfinden laflen, der durch; die wefteuropäifche Erziehung der jüdifchen Jugend geht Vor den; kindlichen Augen liehen zwei Welten, die nichts mit einander ge*