Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1919)
- Date
- 1919-02-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Barth, Juden und Judenpolitik 325 Grodzisker ufw. in fich Organifationen darfteilen. Erft unter der Leitung Dr. Kohns und mit Hilfe der Feftreden Dr. Carlebachs Wurde die Aguddas Hoorthodoxim gegründet, die Zweigvereine in den meißen Städten unterhielt. Wir werden fpäter fehen, daß die Werbekraft diefes deutfdien Führers nicht auf feinen Argumenten beruhte. Die Vereinigung, in der nicht gerade die belferen Schichten der Orthodoxie ausfchlaggebend waren, hat nach Aufhebung der deutfchen Okkupation keine Bedeutung mehr. Das der Agudda naheftehende, mit dem Geld der Herren aus der Frankfurter Freien Vereinigung gegründete Zeitungsorgan »Das jüdifche Wort« hat es für feine Hauptaufgabe angefehen, die nationalen Parteien grbb anzugreifen. Die »nationalen Parteien« find nun durchaus nichts Einheit* liches. Sie umfalTen die Zionißen, Volkspartei, dann die Poale Zion^ Bund und andere fozialißifche Gruppen. Eine Einigung diefer Richtungen, auch nur zu einer Arbeitsgemeinfchaft, iß trotz aller Ver* fuche niemals zu Stande gekommen, und das nicht in erfter Linie aus perfönlichen Gründen die auch ftark mitfpielten, fondern aus fachlichen. Es muß ausgefprochen werden: das Trennende ifi: ßärker als das Gemeinfame. Was fie eint, iß lediglich ein Bekenntnis zum Jüdifch-Nationalen. Nun aber das Trennende: die Aufnahme Paläfiinas in das Arbeitsprogramm ifi ausgefchloflen, weil die Bundifien fcharfe Gegner des Erez^Israel^Gedankens find. Sie wollen die Judenfrage, die fie ganz im Sinne materialiftifcher Gefchichtsauffalfung behandeln, nur im Galut beantwortet fehen, in Paläfiina die Rechte der AraberTchützen. Für Hebräifdi als lebende Sprache hat außer den Zionifien niemand etwas übrig, der Bund will überhaupt kein hebräifches Wort in der jüdifchen Schule dulden. In allen foziaiiftifdien Gruppen iß das Solidaritätsgefühl mit den GenolTen ßärker entwickelt als das mit den nichtfozialifiifchen Juden. Qits gilt auch für die Poale Zion, die in Polen keine Arbeitsgemeinfchaft mit den Zionifien haben. Für die Volkspartei erfchöpft fidi das jüdifche Programm in dem Kampf für die jidifche Sprache, die unter den Zionifien zahlreiche Gegner hat,- zweifellos hätte die jüdifche Schule viel mehr Ausficht auf ungefiörte Entwicklung, wenn man die jidifche Sprache bei Seite lallen würde. Man würde für das Hebräifche dann weit* gehende Konzeffionen bekommen. Was die Zionifien daher ver* anlaßt, im Schulprogramm nicht ausdrücklich vom Jidifchen abzurücken, ifi wohl nur die Rückficht auf die Solidarität der nationalen Parteien und die Tatfache, daß Jidifch von der Maffe gefprochen wird. Nun iß allerdings hierbei eine Einfchränkung zu machen. Unzweifelhaft befindet fich nämlich die jidifche Sprache in Polen in unaufhaltfamem Rückgang, die Kinder fprechen es in den Städten viel weniger als die ältere Generation, und es gibt außer den Politikern der Volks* und fozialißifchen Parteien kaum ein Haus 4er gebildeten Stände, in dem es überhaupt gebrochen wird. Ein während der Okkupation eröflfnetes jüdifihes Theater brachte die