Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Einzelheiten -Selbfterhaltungstrieb bei der UnmÖg* lidikeit, größere Mafien in Paläftina anzufiedeln, die überwältigende Mehr* heit zum Verbleiben in Berlin veran* laflen wird. Wenn nun ArloforofF fich für diefe Eventualität keinen Rat weiß, fo glaube ich doch, daß gegen* über feiner Afterlogik Aachad Haam »recht behalten wird mit der Ueberzeu* .gung, daß der Genius des jüdifchen Volkes, der immer gerade dann, wenn er totgefagt war, wieder verjüngt und verfchönert wie ein Phönix aus der Afche emporftieg, auch in diefem Falle einen Ausweg finden wird. Wenn ja, dann läßt (ich auf Arloforoffs Auffatz das Wort des Dichters anwenden: Grau, alter Freund, ift alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum. Nachdem nun felbft ein fo radikaler Zionift wie Löwenftein die Galuth* arbeit bejaht, weil er eben in feiner Stellung ' praktifche Arbeit zu leilten gezwungen ift, und fomit die ganze Frage überhaupt keine Frage mehr für uns bedeutet, fondern längft in pofitivem Sinne gelöft ilt, müßte lieh eigentlich ein fo ausführliches Eingehen auf den Auffatz Arloforoffs erübrigen und als Verfchwendung von Zeit und* Mühe erscheinen. Jch erblicke aber in dem ..ganzen Syftem eine Gefahr -für uns, auf die deutlich hinzuweifen ich für durchaus nicht überflüffig erachte. Es fcheint mir nämlich, daß es fich bei dem Gegenfatz der Auffätze von Arloforoff und Pinner nicht um einen zufälligen Meinungsunterfchied, fondern um eine Verfchiedenheit der inneren Konftruktion der VerfalTer handelt. Ich „glaube, daß jenes zwecklofe Theoreti* Tieren im luftleeren Raum, wie wir es bei ArloforofF finden, ein fpezififches Kennzeichen jenes unproduktiven Geiftes der Zerfetzung ilt, den wir als Haupt* merkmal der Degeneration in beftimmten ,jüdifchen Kreifen bekämpfen. Haben wir doch längft erkannt, daß unfer ganzes Judenproblem nicht zuletzt eine Frage der fittlichen Hebung der einzelnen Individuen ilt : »Das Bekenntnis zur Nationalität und zur Menschwerdung (hier natürlich im höchften Sinne zu ver* liehen) der Malle find für uns nur zwei Seiten ein und derfelben Sache.« Wie tief aber das Gift der AlTimilation fich in den Körper des jüdifchen Volkes «eingefreflen hat, beweilt die Tatfache, daß felbft in unferen Reihen unter dem Deckinantel des radikalften Zionismus eine Strömung fich breitmacht, deren Wahlfpruch lautet: Im Anfang war das Wort. Von diefer Strömung, die, wie ich heute Gott fei Dank weiß, nur einen verfchwindend kleinen Teil der K. J. V.*er umfaßt, befürchte ich, daß es ihr genau fo ergehen wird wie den Juden, die Herr Rubafchoff in drei Auf* fätzen im »Jüdifchen Willen« uns als warnendes Beifpiel vor Augen geführt hat. Als ihre Ideen an dem rauhen Felfen der Wirklichkeit zerfchellten, gingen fie auf irgend eine Weife dem Judentum verloren. Unproduktive Men* fchen, deren Können fich in Dialektik und geiftreichen Einfällen erfchöpft, wer* den nicht dazu berufen fein, das Haus des jüdifchen Volkes neu aufzubauen. Es ift intereflant, daß wir von folchen Aflimilationserfcheinungen in unferem Kreife nichts gemerkt haben, als wir noch einen Schwierigen Stand in der deutfehen Studentenfchaft wie im Juden* tum hatten, als es noch galt, uns erft eine angefehene Stellung zu erringen. Damals wurde zwar weniger in radi* kalen Phrafen, aber dafür defto mehr in der Tat geleiftet. Ich kehre zum Ausgangspunkt meiner Betrachtungen zurück, zum Problem: Zionismus und Galutharbeit. Wenn ein deutfeher Delegiertentag es den deutfehen Zidniften zur Aufgabe ge* macht hat, Paläftina in ihr Lebenspro* gramm aufzunehmen, fo war das eben niemals etwas anderes als eine fchöne Gelte, fagt Pinner. Ich meine, auf Phrafen, von denen wir felbft willen, daß ihnen die Wirklichkeit nicht ent* fpricht und nicht entfprechen kann, follten wir verzichten. Sich felbft zum Narren zu machen, ilt ein Vergnügen, das wir befler anderen überließen. * Die Tatfachen fprechen eine zu deut* liehe Sprache, als daß wir uns noch irgendwelchen Phantaftereien hingeben könnten. Das Programm Pinners muß das Programm für die Arbeit des Kar* teils werden. Wir wollen die Beften und Tüchtigften zum Aufbau eines nationalen Zentrums nach Pal|ftina fenden, foviele dort in einer ihrer aka* demifchen Bildung angemeflenen Stellung Dafeinsmöglichkeiten haben, wollen die Exiftenz keines Einzigen leichtfinnig aufs Spiel fetzen, weil wir jeden einzelnen