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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 107

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 107)
Language
German
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Einzelheiten 317 Zioniften, Was fchienen fie hier vor dem Kriege den meiften anderes als finftere Fanatiker, »unruhige Elemente«, Störer des Kongrelfes, die in den Zionismus Problem hineintrugen, mit denen man ihn gern verfchont gefehen hätte, Lsute, an deren Nationalgefühl man zweifelte, weil man es für unvereinbar mit ihrem Klaflenbewußtfein hielt? Vielen von uns hat der Krieg, fei es im Felde, fei es in der Heimat/ die Bekanntfchaft mit Poale-Zion verfchafft, und fie hat uns eines BelTeren belehrt. Dies Buch muß auch den noch fo affimilierten und in bourgeoifem Denken befangenen deutfchen Zioniften bekehren. Wenige andere Zioniften haben mit ihrem Zionismus fo reftlos Ernft gemacht wie die Poale-Zion. Darum haben?fie das Recht, als jüdifche Arbeiter ihre Forderungen zu ftellen. Daran foll man denken, wenn noch einmal die Arbeiterfrage für Paläftina erörtert wird. Man wird dann gewiß manches Urteil und manchen Rat »erfahrener Paläftinenfer« nicht mehr hören, deren man fich heute bereits mit Befchämung erinnert, Er/S Coßn Zionismus und Gafutharßeit. <Ein Brief aus dem Felde). Liebe Bundesbrüder! Eine verhältnismäßig günftige militärifche Situation macht es mir möglich, mich im Anlchluß an das letzte Heft des Jüdifchen Willens ausführlich zu dem Probleme »Zionismus und Galutharbeit« zu äußern. Bei der ausfchlaggebenden Bedeutung, die diefe Frage für uns befitzt, und dem innigen Zufammenhang, der zwifchen ihr und manchen andern uns augenblicklich be- Idiäftigenden Dingen befteht, halte ich es für angebracht, mich mit der Darlegung meiner Anflehten an diejenige Stelle zu wenden, die gleichzeitig technifcher und geiftiger Mittelpunkt des Kartells ift. - Ich gehe fofort in medias res. Der Auffatz von ArloforofF ift dialektifch und technifch eine tüchtige Leiftung. Ich habe mich Vergebens bemüht, eine Lücke in feinem Gedankenaufbau zu entdecken. Und doch ift die Anfchauung, die er vertritt, barer Nonfens, muß es für uns, die wir an eine jüdifche Zukunft glauben, fein, wenn wir nicht verzweifeln wollen. Angefichts der abfoluten Unmöglichkeit, die Zahl derjenigen, die in der Diafpora leben, durdv Verpflanzung eines größeren Teils nach Paläftina merklich zu verringern, kann der ungeheuerliche Schluß, zu dem ArloforofF kommt <S. 157), daß, wenn der wahre, echte Jude, der hebräifche Paläftinenfer, als der Jude auffteht, alles Schein-, Trotz-, Noch*, Halb-, Bindeftrich-Judentum ftürzen und untergehen muß, daß die Bildung eines Zentrums in Erez Israel die Affimilation nicht aufhalten, fondern im Gegenteil befchleunigen wird, für uns zwei Konferenzen hahen : entweder wir verzweifeln an der Zukunft des Judentums und wählen je nach Temperament Taufe und Selbftmord, oder wir ziehen ein Halbjudentum, das freilich auf die Dauer auch nicht lebensfähig ift, immer noch einem Nichtjudentum vor und verzichten auf Paläftina. Wenn man erftens feftftellt: im Galuth geht das jüdifche Volk zu Grunde,- alle für das Galuth beftimmte Arbeit ift verfehlt/ die Gründung eines numerifch kleinen nationalen Zentrums in Paläftina fördert den Verfall des Galuthjudentums, alfo des Juden^ tums fchlechtweg,* und zweitens: Anfiedlung eines nennenswerten Teiles des jüdifchen Volkes in Paläftina erfcheint nach menfehlicher Vorausficht nicht ausgefchloffen, erblicke ich keine anderen Möglichkeiten. Wie fich ArloforofF die Sache nun eigentlich denkt, darüber fcheint er fich im Grunde felbft nicht ganz klar zu fein. Denn wenn feine Forderungen für die Galutharbeit im Gegenfatz zu den Anfchauungen Ernft Pinners und auch zu denen Löwenfteins ftehen, und das follen fie doch offenbar, fo bzfagen die an fich wunderbar klingenden Worte: Läuterung, Einigung, wachfender, reifender Wille in etwas nüchternerer Sprache, daß wir einen Zuftand erftreben follen, in dem alle Juden fo erzogen werden und lebten, als hielten fie morgen in Paläftina ihren Einzug. Letzteres ift aber eine phyfifche. Unmöglichkeit, die er vermieden willen will, . eine Zwiefpältigkeit, die die Juden wirtfchaftlich herabdrücken müßte,- und der fie fchließlich auch feelifch erliegen würden. Den pathetifchen Schlußfatzj Man kann nicht in Zion und Berlin ftehen, unterfchreibe ich gern,- nur wollen wir ruhig zugeben, daß der gefunde

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