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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 106

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 106)
Language
German
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316 Einzelheiten Sie ilt eine reine Zweckmäßigkeitsfrage, die man fo oder 1b entfcheiden mag, die aber fo oder fo für unfere Jüdifchkeit gar keinen Maßfiab abgibt. Alles in allem: wir find nicht ohne Fehler. Und wir felbft willen am bellen, was uns not tut: mehr Unbedingtheit nämlich und größere Intenfität im Wollen und Handeln. Unfere Belferen empfinden das und finnen immer wieder, wie dies Ziel am heften zu erreichen fei, Dann fprechen fie uns wohl das Urteil, von dem fie fich felbft nicht ausnehmen,- jenes Urteil, das uns von keinem Außenftehenden gefprochen werden darf ~ es fei denn durcß die Tot. Wer aber glaubt, daß er uns helfen kann und etwas zu fagen weiß, was uns weiterbringt, — der fei uns willkommen. Arnold Zweig wäre gewiß nicht der Letzte, auf den wir hören würden, wenn er uns zu diefem eigentlichen Kernproblem, das auch das feine wie es das unferer ganzen Bewegung ift, etwas zu fagen hätte. Er .hat fich ftatt deflen an unfere äußeren Formen gehalten und diefe in einer Weife karikiert, daß wir der Außenweltals ein Haufe von albernen Fatzken erfcheinen müflen, die bierfei ig und händeifüchtig durch die zioniftifche Bewegung torkeln. Und ihm fekundiert Herr Joel, der uns als unfer wahres Ideal den Typ des deutfchen Waffenftudenten unterlegt. Wir nehmen diefe Tatfachen einigermaßen überrafcht und mit dem freudigen Bewußtfein zur Kenntnis, daß die Roliheit unferer Gemeinfchaftsformen uns bis jetzt noch nicht zu einer fo unwürdigen und oberflächlichen Polemik verleitet hat, wie lie offenbar jenen belferen und tieferen Elemementen eigen ift, die auf die wahre Erfalfung des jüdifchen Geiftes privilegirt find. Kr. Jisßor. Das Jiskor-Buch ift hier bereits nach Verdienft gewürdigt worden. Aber es ift eine fo eigentümliche Erfcheinung in unferer Literatur, daß wohl noch einige Worte über die Betrachtungen, zu denen es anregt, hinzugefügt werden dürfen. Das Buch handelt von den erften Toten, die für unfer Land fielen. In einer ganz merkwürdigen Weife ruht auf diefen an fich gewiß traurigen Erzählungen ein eigentümlicher Hauch von ftrahlender Heiterkeit. Dem Tode diefer Männer haftet nichts Niederdrückendes, fondern etwas Befreiendes an. Sie fielen in Freiheit, für ihr Land und ihr Volk, ihr Tod ift die würdige Krönung ihres Lebens. »Das Leben ilt die Fülle, nicht die Zeit« — die Wahrheit diefes Wortes finden wir in diefen anfpruchslofen Biographien anfpruchslofer Menfchen beitätigt. Ich wüßte darum kein literarifdies Erzeugnis unter den bisherigen, das uns lebhaft das Gefühl einer fonnigen Freiheit im Ineuen Palältina fo lebhaft vermittelte wie diefes Buch. Vielleicht gerade deshalb, weil das Buch vom Kriege handelt — aber von unferem Kriege? Zwar meint Buber in der Einleitung, diefer Krieg fei »ein anderer, einer von urwefenhaft anderer Art« als fonftige Kriege. Ich vermifle die Darlegung, weshalb das der Fall fei, und ich vermag vorläufig ebenfo wenig daran zu glauben, wie ich den Nationalismus des jüdifchen Volkes als wefensverfchieden von dem aller anderen Völker empfinde. Wir haben gehört, der Nationalismus des jüdifchen Volkes fei ein Nationalismus der Liebe oder der Gerechtigkeit im Gegenfatz zu dem auf Macht gegründeten der anderen Völker. Das Buch Jiskor fcheint mir zu lehren, daß in dem Augenblid*, in dem das Jüdifche Volk wieder die Er.de berührt, fein Nationalismus fich in alier Unbefangenheit genau fo in dem frohen Gefühl der Macht und Kraft reckt, wie es bei allen gefunden Völkern der Fall ift. Damit ilt nicht gefagt, daß wir die Anlage zu der Brutalität befäßen, die den Nationalismus der militariftifchen Völker charakterifiert. Ich glaube allerdings, daß unfer nationales Streben und damit unfer nationaler Kampf immer durch, den Geift und die Ethik gebändigt bleiben wird — wie denn keinem der Helden, deren das Jiskor-Buch gedenkt, die geringfte Spur des Landsknechtstunis anhaftet. Ohne viel Aufhebens davon zu machen und ftets fich als Diener einer Idee fühlend, traten fie freiwillig auf ihren Polten und lebten und darben für das, was fie als richtig und gut erkannt haben. — Die Männer, von denen das Buch erzählt, find anfcheinend durchweg Poale- Zion, zioniftifche Sozialilten, gewefen. Die Verkennung der Poale^Zion gehört zu dem Sündenregifter der deutfchen

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