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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 104

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 104)
Language
German
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314 Einzejheiteir EINZELHEITEN Angriffe gegen das K. J. V. im »Juden«. Die Zeitfchrift »Der Jude« fetzt einigermaßen verworrene Anfchauungen über das K. J. V. in Umlauf. Im Auguftheft wird es uns gleich an zwei Stellen gegeben. Da lieh nämlich der erfte Angriff mit einer großen Ungerechtigkeit in der Sache unbegreiflicher weife begnügt, muß fchnell noch durch einen zweiten Ausfall, dem neben der fachlichen Ungerechtigkeit durch Maßlofigkeit des Tons zu wirken beftimmt ift, die abfolute Minderwertigkeit unferes Kartells in jüdifchen Dingen dar* getan werden. Angriffe diefer Art in irgend einem andern Organ müßten als gegnerifche Böswilligkeiten unbeachtet bleiben. Beim »Juden« aber wollen wir annehmen, daß nur jene übergroße Liebe, wie fie unter nahen Verwandten herrfcht, zu einer Schärfe geführt hat, die fich durch ruhige Ausfprache wieder auf die unter GefinnungsgenoITen üblichen Formen herabmildern läßt. Beide Male wird unfere Minder* Wertigkeit in jüdifchen Dingen nicht etwa dargetan, fondern frohweg behauptet — und dies auf Grund ■ unlerer äußeren Formen. In einem Auffatz »Altes und junges Judentum« benutzt Herr Joel uns als ein befonders lehrreiches Beifpiel für jene dumpfe Menge, bei der Ideal und Wirklichkeit durch eine breite Kluft ge* trennt fei und die fich noch nicht einmal die Mühe nehme, die Diftanz zwifchen ihrem und jüdifchem Leben zu ermelTen. Diefer Vorwurf aber erfcheint ihm noch fo wenig hinreichend, daß er zu feiner Verftärkung es fich etwas LInlogik nicht verdrießen läßt. Denn hat er uns eben noch die Reinheit eines, wenn auch im geringften nicht gelebten Ideals zugebilligt, fragt er fchon wenige Zeilen fpäter, was für ein Typ des jüdifchen Menlchen uns als Ideal vor Augen ftehe und antwortet trefflicher: »Der deutfche Waffenftudent.« Den Beweis für diefe fcherzhafte Behauptung findet er in unferer Stellung zur Satisfaktionsfrage, die er mit einem längeren Zitataus Achad Haarii als unferer nationalen Ethik widerfprechend und als eine Sünde gegen den Gei/t unferen Volkes bezeichnet. Das ift der ganze Beweis, den er zur Rechtfertigung einer Befchimpfung der zioniftifchen Akade* mikerfchaft Deutfchlands für nötig hält. Immerhin wird man hierdurch auf das Folgende gut vorbereitet. Arnold Zweig legt für die Helden des Buches »Jiskor«, die in Palältina gefallenen Wächter und Arbeiter Zeugnis ab. Er tut das in. einer würdigen und an manchen Stellen hinreißenden Weife. Aber e^ tut den Männern feiner Verehrung einen fchlechten Dienft, wenn er zum Schlufle meint, daß ihr Ruhm um fo ftrahlender leuchte, wenn er dahinter um fö Ichwärzer und verzerrter das Bild der weftjüdifchen Akademiker malte. Das atembeklemmende Satzgebilde, in dem er das tut, foll hier wörtlich liehen als ein Beweis dafür, wie noch dem Sprachkünftler die Form mißlingen muß, wenn alzu windig ift, was er auszudrücken hat. Er nennt die Jiskor*HeIden die neue repräfentative Jugend des jüdifchen Volkes, fie und nicht die Turner, nicht den Blau*Weiß. »Sie und keineswegs jene jungen Herren, die mit bunten Mützchen und harmlofen Schlägern die deutfche »Jugendbewegung« in ihren vermoderteJten fa!fch*roman* tifchffen Formen ergötzlich kopieren, und die, indem lie mit hebräifchen Brödtchen und hiftorifchen oder grammatifchen Lektionen aufwarten, in aller Unfchuld auf feierlichen Biergelagen mit ge* Ichweiter Hemdbruft die zarte, erlelene, zur Führerfchaft beftimmte Oberhaupt der jüdifchen Jugend zu fein fich anmaßen«. Ein Höhepunkt aber ift der Ausklanga »Wir andern aber, .... wir andern, Kameraden blicken auf Jene <sc. die ge* fallenen Schomrim) mit Sehnfucht und Ehrfurcht.« Wir andern aber . . . Diele Mufik foll uns unvergefien bleiben. Denn wenn wir Rohlinge fchon das Privileg auf Gefühle der Sehnfucht und Ehrfurcht ein für alle Mal jenem befdieidenen Teil der jüdifchen Jugend, der fich nichts an* maßt, überlalTen müflen — zwifchen Biergelagen und Schlägereien dringt auch an unfer Herz der Ton des Dichter* Wortes: Wir andern aber..... Zur Sache. Niemand von uns wird leugnen wollen, daß zwifchen unferer Wirklichkeit und unferem Ideal eine Kluft befteht, die auch unfere Bellen nicht Überbrüden/ daß der Erkennt* nis von der Notwendigkeit einer inneren Llmgeftaltung und einer wahr*

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