Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2827066-2827067-2827072--0332-2827432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Berichte: Amerika 313 Gehenden Feftes und die Ordnung des Gottesdienftes im reformerifchen Tempel zu veröffentlichen. Die letzte Periode <1902~ 1906) zeichnet (ich durch erhebliches Fortfehreiten des religiöfen Gedankens unter der akademifchen Jugend Amerikas aus. Die Or* ganifierung gewinnt an Umfang und im Jahre 1902 gibt es bereits eine größere Anzahl akademifcher jüdifcher Vereine verfchiedener Richtung. Die religiöfe Bewegung führte zur Gründung der Vereinigung der »ja1- •difchen Studenten an der Univerfität Michigan«, an deren Spitze der Rabbiner Dr. Franklin Iteht, Diefer Verein hat einen ausgefprochen religiöfen Charakter, pflegt regelmäßig jeden Sonnabend Gottesdienft im reformatorifchen Tempel, ver* anfraltet Referate über jüdifch-religiöfe Themen. Jeden Sonntag Abend werden Betftunden in der Univerfität abgehalten, an welchen auch jüdifche und chriftliche Profeflbren teilnehmen / hier, werden von den reformatorifchen Rabbinern-Predigten gehalten. Im Jahre 1915 gab es fchon Reformtempel an den meilten Univerfitäten Hierfür hatte in erfter Linie der »Verband jüdifcher Studenten« geforgt, der im genannten Jahre gegründet wurde. Seine Ziele find: 1. Verfammlungen in den Tempeln mit kurzen Gebeten und Vorträgen über religiöfe jüdifche Themen mit anfchließender Diskuffion. 2. Abhalten von Gottesdienft am Sabbath, 3.' Die Sorge für dje Zuteilung von Synagogenplätzen an auswärtige Studenten und verfchiedenes diefer Art Diefer Verband hatte zahlreiche Verfammlungen ab~ gehalten, die erfolgreich verlaufen find. Zweigvereine befinden (ich in Philadelphia und Detroit. Dies ift in kurzen Zügen das charakteriftifche, religiöfe Leben der jüdifchen Studenten Amerikas. Freilich darf man auf diefe Bewegung nicht allzuviel Vertrauen fetzen. Die Studenten befuchen bisweilen den Tempel und hören die Predigten der Reformrabbiner, nehmen auch am Gottesdienfte teil, aber all dies ift nur äußerlich, ohne innere Begeiferung, wie ja das Reformjudentum felbft nicht mehr ift, als trockene Nachahmung der Sitten einer anderen Kirche. Um fo bedeutfamer ift das Schaufpiel des immer weiter um fich greifenden nationalen Gedankens, der fich fortwährend neue Herzen in der akademifchen Jugend Amerikas erwirbt. Durch die Begründung des Vereins »Menorah« wurde der Abgrund überbrückt, der zwifchen den beiden Teilen der jüdifchen Jugend klaffte, ~ den eingeborenen und eingewanderten Studenten, weiche bisher fremd einander gegenüber ftanden und jetzt erft fich beginnen zu nähern und gegenfeitig kennen zu lernen. Wenn auch ohne ausgeprägtes Programm, hat der Verein die Grundlage für die Einigung gefchaffen. Er gibt eine Zeitfchrift heraus, welche fich der Mitarbeit geachteter Kräfte erfreut. Jetzt kann man fchon erhoffen, daß die jüdifche akademische Jugend fich zu einer Körperfchaft entwickeln wird und dann auf das allgemeine geißige Leben der amerikanifchen Judenheit wird einwirken können. Bis auf den heutigen Tag wurde weder von den ingeborenen noch von den zugewanderten Studenten der Verfuch gemacht, ihre Pflicht gegen^ über der jüdifchen MalTe zu erfüllen. Lediglich als Ausnahme kann man eine kleine Gruppe von Studenten betrachten, die im vergangenen Jahr einen Brief in der jüdifchen Tageszeitung »Die Wahrheit« veröffentlicht hat, in welchem fie einen Plan zur Organifierung jüdifcher Volkserziehung in Vorfchlag brachte. Die Verfaffer haben damals betont, daß fie auf diefe Weife ihre Pflicht gegen <lie Malle erfüllen wollen. Aber dies war, wie fchon angedeutet, nur eine Ausnahme. Kopenhagen Nacßman SSiffrin