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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 102

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 102)
Language
German
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312 Berichte: Amerika die auf diefen Antrag hki entbrannt war, wurde betont, daß die geiftige Ent«- wicklung der jüdifchen Studenten fehr gering ift, und daß fie dem Judentum und fejnen Problemen nur fehr geringes Interefle entgegenbringen. Der Antrag der Rabbiner von Milwaukee wurde angenommen. In den nächftfolgenden zehn Jahren wurde in den jährlichen Kongreflen der reformatorifchen Rabbiner über die Durchführung diefes Befchlufles nichts erwähnt. Erft im Jahre 1906 findet fich eine Mitteilung des Rabbiners Dr. Großmann über das religiöfe Leben an den Univerfitäten. Der Referent gibt bekannt, daß lite* rarifche Gruppen in der akademifchen Jugend gebildet worden feien, in welchen man fich mit der Pflege de*s Judentums befchäftige, und empfiehlt den Rabbinern,- diefe Gruppen durch Teilnahme an deren Arbeit zu unterftützen. Im felben Jahre gründen die Reformatoren den »Speziellen Ausfchuß für religiöfe Arbeit«, deflen Aufgabe es war, für die religiöfe Ausbildung der jüdifchen Studenten Sorge zu tragen. Diefer Ausfchuß veranftaltete im Jahre 1908 eine Enquete betreffs diefer Arbeit bei 32 Rabbinern. Die wichtigften Fragen darin waren: Wie find, die Beziehungen zwifchen Rabbinern und Studenten? Wie häufig liaben fich die Studenten an die Rabbiner mit der Bitte um Rat und Unterftützung in Fragen ihres religiöfen Lebens gewandt? Wie groß ift die Zahl der jüdifchen Organifationen in der akademifchen Jugend? u. a. Diefer erfte Verfuch brachte kein fehr umfange reiches Material. Aus den fiebzehn eingegangenen Antworten konnte man erfehen,. d^ß lediglich an vier bis fünf Univerfitäten eine größere Anzahl von jüdifchen Studenten nörten. Von den beliebenden Organifationen ift die bedeutende »Menorah«,, welche eine Reihe von Referaten im Laufe des Winters eingerichtet hatte und auch ein jüdifches Schaufpiel zu eröffnen gedachte. In Chicago und der Univerfität Columbia im Staate New^york find Klubs gegründet worden, deren Tätigkeit bisher wenig umfangreich war. Lediglich an einigen wenigen Univerfitäten gab es Klubs, welche Kurfe über jüd-ifche Themen abhielten. Ich habe hier den Inhalt der gefamten Enquete genau wiedergegeben. Wie groß ilt die geiftige Armut, die uns aus diefcm Erfofge der Arbeit feit zehn Jahren entgegenftarrt! Zwei, drei Vortragscyklen, der Plan eines jüdifchen Schau* fpiels, ein Häuflein Leute, welche jüdifche Kultur gerne kennen lernen möchten und einige Klubs, deren Arbeitsleistung fehr gering ift. Und im Grunde be* fchränkt fich alles Jüdifche diefer Vereinigungen wesentlich auf die Tatfache zur Zu* gehörigkeit ihrer Mitglieder zum jüdifchen Stamme, darüber hinaus gibt es dort nichts. Seibit die Namen der Vereine find meift der griechifchen Sprache entlehnt, eine Nachäffung der Formen der nichtjüdifchen Studenten. Lediglich der Verein »Menorah« hob fich aus feiner gefamten Umgebung heraus,- diefer hat jetzt eine wichtige und. fchwere Aufgabe im Leben der,jüdifchen Studenten Amerikas zu erfüllen. Im Jahre 1909 entwickelte fich die Tätigkeit auf dem Gebiete der religiöfen Unterweifung, obwohl der Jahresbericht der Reformer immer noch feftftellen muß, daß »die Arbeit noch nicht allen Anforderungen entfpräche«. Als Gründe werden angegeben : Erftens die geringe Zahl der jüdifchen Studenten an größeren Uni* verfitäten, zweitens die Entfernung der Univerfitäten von den jüdifchen Zentren. Allein diefe Gründe find gefucht. Die wahre Urfache der ungenügenden Arbeit wird im Jahresbericht fpäter zugegeben, wo es heißt: »Bedauerliche Tatfache ift, daß viele jüdifche Studenten abfoiut nicht dazu neigen, fich an irgend welcher Arbeit zu beteiligen. Sie wollen nicht am Gottesdienfte'teilnehmen und wünfchen nicht, fich von ihren chriftlichen Kommilitonen zu unterfcheiden. Manche ändern ihren Namen, um auf diefe Weife ihre jüdifche Abkunft zu verbergen.« Diefer Grund ift klar und einleuchtend. Trotz allem ift eine auffteigende Bewegung zu verzeichnen. An den Uni* verfitäten, Chicago, Cleveland, Baltimore, St. Francisco u. a. nehmen die reformatorifchen Rabbiner Anteil am geiftigen Leben der Studenten. Im bezeichneten Jahre verpflichtet der Kongreß die reformerifchen Rabbiner, die Univerfitäten zu befuchen, die Studenten kennen zu lernen, fyftematifch Vorlefungen über jüdifche Themen zu halten und vor den Feften Auffätze über die Bedeutung des bevor-

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