Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
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».j^-v-w < .»r -2 - Vir * * - » ' . *,< V_ *~ »«■----- , w , , - .v , - f ■ Berichte; Amerika 311 Drückt der Charakter der amerikanifchen Studentenfdiaft ihren Stempel der Art der jüdifchen Studenten auf, fo ift der Einfluß der ProfefToren wie über* haupt der der gefamten Hochfchulleitung nicht geringer. Der Amerikaner betrachtet die Hochfchule lediglich als eine Lehranftalt zur Ausbildung in einem Handwerk. Alle Sorge gilt lediglich der Pflege der Spezi* alität des Einzelnen,- immer wieder wird die Zweckhaftigkeit der Wiflenfchaft be* tont. Erft jüngft ift eine Veränderung dahingehend eingetreten, daß Kurfe in Gegenwänden allgemeiner Bildung abgehalten werden. Andererfeits werden die meiften amerikanifchen Hochfchulen aus Mitteln reicher Mäzene unterhalten, ftockkonfervativer Männer, deren Anflehten für .die ProfefToren maßgebend find. In frifcher Erinnerung ift noch der Auffatz des Rektors der Harvard^Univerfität, der größten Univerfttät in Amerika, in welchem dargelegt wurde, der ftreikbrechende Arbeiter zeige Mut und Heldentum. Ebenfo bekannt ift die Tatfache, daß lange Jahre hindurch an der Spitze der Univerfttät Chicago einer der Sekretäre Rockefellers ftand. Vor kurzem bezeichnete der Rektor einer anderen Univerfttät Roofevelt .als gemeingefährlich, weil diefer für umfangreiche foziale Reformen eingetreten ift. Diefe Atmofphäre übt gleichfalls auf den eingewanderten Studenten ihre Wirkung aus, zumal diefer ~ wie bereits ausgeführt — keine gefunde geiftige Entwicklung durchgemacht hat. Es darf nicht überfehen werden, daß die Eingewanderten in der Univerfität eine Gruppe für fich bilden, von den übrigen amerikanifdien Studenten abge* fondert find und auch an ihrem Leben nicht teilnehmen. Sie haben kein InterelTe für deren Spiele und Sportwettkämpfe und vermögen' keine Begeifterung für die Leiftungen der Sieger aufzubringen, auf die die Univerfität fo ftolz ift. Sie find befchäftigt mit ihren Sorgen: ihr Leben während der Studienzeit zu friften. Dagegen nehmen fie in den wiflenfchaftlichen Leiftungen die erfte Stelle ein. Von den Profeflbren werden fie deswegen gefchätzt und auch die übrigen Stu* denten können diefen Arbeitern ihre Achtung nicht verfagen, welche mit einem derartigen Fleiße den WilTenfchaften nachgehen. Aber fie felbft, die Einge* wanderten, fühlen fich immer fremd in der akademifchen Umgebung. Sie rnüffen fich vorfehen im Wort, im Gebaren, in ihrem ganzen Auftreten. Im allgemeinen war das Leben der jüdifchen Studenten, fowohl der Ein* geborenen wie auch der Eingewanderten matt und farbloserft in den letzten zehn Jahren trat hierin eine Wandlung ein. Der jüdifche Student beginnt fich um das geiftige Leben zu bekümmern und wir fehen die erften Grundfteine für das Fundament des fchönen künftigen Bauwerks aus dem Boden herauswachfen. Die Vermehrung der Studentenfdiaft in den letzten Jahrzehnten veranlaßte die verfchiedenen jüdifchen Organisationen Amerikas — nationale wie auch reli* giöfe ~* auf die Entwicklung der erfteren acht zu geben. Manche verfuchten die Studenten auf ihre Seite zu ziehen und manche wollten ihre Tendenzen mit Hilfe der jungen Kräfte durchfetzen. Wefentlich ift, daß fich nicht die Orthodoxen um das religiöfe Leben bekümmert haben, fondern in erfter Linie die Reformerifch* Gefinnten. Die erfteren machten nicht die geringften Verfuche, die Jugend kennen zu lernen und ihre Entwicklung zu verfolgen. Der Einfluß der reformatorifch* gefinnten Judenheit auf die Entwicklung der amerikanifchen Studenten^ fchaft ift einzig in ihrer Art. Es ift eine Erfcheinung, wie fie in der jüdifchen akademifchen Jugend der anderen Ländern - nicht zu beobachten ift / aus diefem Grunde dürfte es angebracht fein, diefem Umftande ganz befondere Beachtung zu fchenken. , Zwifchen den eingeborenen Studenten' und den reformatorifchen Rabbinern, dem Rabbiner der ewig leer ftehenden »Tempel« find enge Beziehungen vorhanden. Im Jahrbuch der reformatorifchen Rabbiner vom Jahre 1896 ift zum erften Mal erwähnt, daß auf einem Kongreß die Rabbiner von Milwaukee vorgefchlagen haben, eine religiöfe Bewegung unter den jüdifchen Studenten zu entfachen durch Ab* haltung von Unterrichtsftunden, Diskuffionsabenden und Vorlefungen aus dem Gebiete der Wiflenfchaft vom Judentum, der jüdifchen Gefchichte und Literatur, ferner durch Einführung belehrender Kurfe auf diefen Gebieten. In der Debatte,