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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 94

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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304 Berichte: Rumänien Korporationsbetrieb angezogen. Es lockte fie die Farbe, die Menfur oder andere Äußerlichkeiten. Der größere Teil der Studenten trat nicht in die deutfchen Korporationen «ein, fondern gründete rt*mänifch*jüdifche Vereine auf national*jüdifcher Grundlage mit Anlehnung an äußerliche Formen der deutfch*jüdifchen Verbindungen. So gruppierten fie fich in Wien um die damals erfcheinende Zeitfchrift »Unfere Hoff* nung«, in Berlin wurde die »Carmelia«, fpätere »Hebronia« gegründet/ in München und in der Schweiz tagten fie mit den ruliifchen Studenten. In Berlin fanden einige zioniftifche Mitglieder der »Hebronia« im Sommerfemefter 1910, daß hier nicht der Platz für rein zioniftifche Arbeit fei und gründeten eine neue Verbindung, die *»Herzliah«, worin das Zentrum der organifierten ausländifchen Studentenfchaft mit zioniftifchen Beftrebungen gedacht war. Bei der Gründung waren ein Hasmonäer, einige Mitglieder der »Hebronia« fowie mehrere ruffifche und ungarifche Zioniften zu* gegen. Die »Herzliah« entwickelte fich mit der Zeit fehr gut/ fie gab ihren Mitgliekern eine gediegene zioniftifche Erziehung und leiftete ernfte Arbeit. In den letzten Friedensjahren entwickelten fidi zwifchen der »Herzfiafi« und »Meßronia« einerfeits und dem B. I. C. und dem K. Z. V, andererfeits freundfchaftliche Beziehungen, die fich in häufigen gegenfeitigen Befuchen äußerten. Von rumänifcher Seite war die »Herzfiafi« als rein zioniftifche Korporation an diefem Verkehr naturgemäß mehr beteiligt. Die in Paris laudierende Jugend blieb dem Judentum fremder, weil diefe St^dt im allgemeinen wenig für das Judentum bedeutet und nicht als Mittelpunkt jüdifcher Intelligenz angefprochen werden kann. Mit den dort anwefenden oft* jüdifcheh Studenten kamen die Rumänen fchon aus fprachlichen Schwierigkeiten nicht zufammen. In Rumänien felbft fand fpäter diefe Bewegung aus dem Ausland Wider* hall. Die in den Ferien nach Haufe kommenden Studenten fetzten fich mit den in Rumänien ftudierenden Kollegen in Verbindung. Diefe hatten wenig Gelegen* heit, die jüdifche Kultur kennen zu lernen. Dazu trug die Tatfache bei, daß in der rumänifchen Sprache Publikationen jüdifchen Inhalts kaum vorhanden waren. Die wenigften Studenten waren der deutfchen, jiddilchen oder der hebräifchert Sprache mächtig, um aus den Arbeiten diefer Sprachen ihre Kenntnifie fchöpfen zu können. Von größeren Gefchichtsbüchern war allein das AlTimilantenbuch. des Theodor Reinach zugänglich. Die aus dem Auslande kommenden Kommilitonen erzählten von der blühenden Bewegung ihrer Kollegen auf jüdifch*nationaler Bafis jn Oefterreich und Deutfchland. Der Weg war geebnet, und der Unter* zeichnete konnte mit anderen in Berlin ftudierenden Gefinnungsgenoflen zu Oftern 1914 der Gründung des erften auf jüdifch*nationalen Grundlagen gedachten Studentenvereins in Bukareft beiwohnen. Als Name wurde fogar in Anlehnung an die Berliner, damals im K. Z. V. fich befindende Korporation »Hasmonaea« gewählt. Die auf fie gefetzten Hoffnungen haben fich erfüllt. Der Verein ent* widtelte fich und gewann immer mehr Boden. Es wurde ernft gearbeitet, fogar hebräifche Kurfe wurden eingeführt. Nach zwei Semeftern war die Zahl der Mitglieder auf über dreißig geftiegen. Zur felben Zeit hielt in Bukareft der kulturelle Verein »Saron« feine regelmäßigen gut befuchten öffentlichen Vortrags* abende ab und, bereitete die Ausgabe von Publikationen jüdifch*nätionalen Inhalts in rumänifcher Sprache vor. Der »Saron« unterftützte die »Hasmonaea« und ftellte Preife für die heften Publikationen aus den Reihen der Studentenfchaft. Die »Hasmonaea« wieder hielt Vorträge und arbeitete organifatorifch bei dem .»Saron« mit In der Provinz pflanzte fich die Bewegung fort. In Galatz, dem Sitz der Zioniftifchen Landesorganifation, erfchien zweimal im Monat eine Zeitfchrift ge* diegener Art »Hatikwah«. Hier wollte man dem rumänifch lefenden Publikum <lie Bekanntfchaft mit Achad Haam, Perez, Bialik, Büber ufw. vermitteln. Neue rumänifch*jüdifche Publiziften beteiligten fich daran. In Jafly erfchien eine jiddifche Zeitfchrift »Das Licht« mit gleichfalls jüdifch*nationaler Tendenz. Auch im Kampf für die Gleichberechtigung vertraten die in den verfchiedenen Kreifen gruppierten Zioniften eine ernfte und würdige Richtung. Sie forderten

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