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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 93

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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Berichte: Rumänien 303 fätiorien verboten und die Zugehörigkeit dazu konnte, wenn fie vom Rektorat ,ni Erfahrung gebracht war, die Ausfchließung aus der Schule mit fich bringen.. Manchmal fanden die Sitzungen in der elterlichen Wohnung eines Mitgliedes, statt, wenn die Eltern desfelben wiflen durften, daß er "einem geheimen Verein angehört/ zuweilen in einer Klaffe der Gemeindefchule, wenn diefer Raum zu bekommen war. Der Verein, dem ich angehörte, befaß in einem Winter die: Kühnheit, fich ein Lokal zu mieten. Das bedeutete für unsere Verhältnifle: ein. leeres-großes Zimmer, halb in die Erde gebaut, mit einer kleinen, dunklen Kam- , mer in einer entlegenen zweifelhaften Gafle. Jeder brachte ein Möbelftück von zu Haufe mit, der Reft wurde gekauft. Und doch was für ftimmungsvolle Abende mit erregten Diskuffionen entftanden in der feuchten Kellerwohnung bei. der Petroleumlampe! Diefe Stunden wird keiner von uns vergeflen. Zu den Sitzungen kam man meiftens in der Dunkelheit und ging auf Umwegen hin, um von den antifemitifchen Kollegen, die unfere. Organifation vermuteten,, nicht beobachtet und beim Rektor denunziert zu werden / auch vor den AffimU lanten mußte man fich in Acht nehmen. Eine Bibliothek hatten wir auch und luden Schüler und Arbeiter zur Bücherentnahme ein. Wir erftrebten und erreichten, fogar für kurze Zeit die Gründung einer Poale-Zionorgänifation. Die Gym* nafiaften verfchiedener Städte befuchten fich, befprachen ihre _ Programme und hielten ihre Tagungen anläßlich der zioniftifchen Delegiertenkonferenzen ab. Diese: ganze Bewegung war von den führenden zioniftifchen Kreifen gefördert. In Fokfchani, dem Sitz des »Verbandes der intellektuellen jüdifchen Jugend«, so> nannte fich fpäter diefe Organifation der Gymnafiaften, verlegte der Verband nicht mit wenig Mühe und Opfern gute billige Publikationen in rumänifcher Sprache. Ueberfetzungen aus Klausner, Smolensky, Salomon Schechter, Katzeln* son, Afch ufw. In diefer Zeit entftanden im ganzen Lande immer mehr Ortsgruppen. In. größeren Gemeinden waren die jungen Zioniften befonders organifiert, die Handwerker manchmal getrennt von den Kaufleuten. Gemeinfam mit den Grnppen der Älteren hatte man die Lesehalle, feierte man die Makkabäertage, diz Herzltage ufw. In einigen kleinen Städten der, Moldau mit kaum 800 jüd'fchen Seelen, konnte man folgende Organisationen finden : eine Ortsgruppe, dann einen Verein, der jungen Zioniften, eine Art Zeire^Zion, worin junge Kaufleute und Handwerker als Mitglieder aufgenommen wurden,- häufiger war noch eine dritte Gruppe: die Mädchenbünde. Gemeinfam hatten alle Gruppen eine Lefehalle und Bibliothek. Durch die Propaganda für die Renaiflance des Judentums verbreitete fich auchdie Idee des »Muskeljudentums«. In Bukareft und Braila gab es die beftorgani* fierten und erften jüdifchen Turnvereine. Ihre Mitgliederzahl ging in die Hun~ derte, und das bedeutete viel für diefes Land, wo die Pflege des Sports in den. Kinderfchuhen fteckt. Andere Städte folgten dem' Bukarefter Beifpiel und kurz vor Kriegsausbruch waren Verhandlungen zwecks Eintritt diefer Turnvereine in, den Verband der jüdifchen Turnerfchaft eingeleitet. Um das Jahr 1905 gingen Abiturienten der erften Generation der Gym* nafiaftengruppen, von denen wir früher fprachen, in die Reihen der Studenten* fchaft über. Der größte Teil ging zum Studium nach dem Auslande, zum Teil,, weil die dortigen Anftalten ihnen eine beflere Ausbildung verfprachen, teils, weil manche Fakultäten, wie z. B. die Technifchen Hochfchulen, die Aufnahme von Juden im Heimatlande erschwerte. Der geringere Teil, kaum 15 Prozent, blieb an den Landesuniverfitäten in Bukareft und Jafly. Die erften verteilten fich an den größten jüdifchen Univerfitätszentren und gründeten ihre Vereine nach dem: Vorbilde der einheimifchen jüdifchen Studentenfchaft. Einige wurden fogar voa den letzteren in ihre Korporationen aufgenommen. Um der Wahrheit gerecht zu* werden, muß gefagt werden, daß die deutfdVjüdifchen Studenten nicht die beften Erfahrungen machten. Die Keilfüxe fahen mitunter äußerlich fehr nett aus, verfügten über einen anfehnlichen Monatswechfel und wurden daher für würdig ge^ funden, einer den deutfchen Komment pflegenden Korporation auzugehören. Die To zufällig gekeilten waren aber nicht durch jüdifche Gefühle oder irgendwelche; littlich^ernfte Empfindungen geleitet, fondern lediglich durch den äußerlich^blendendeiv

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