Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte: Galizien 301 Ziehung auszufüllen, andererseits aber ein willensftarkes, arbeitsfrohes Jung^Judentum zu fchaffen. Seibit die hebräifche Bewegung, die in den letzten Jahren fo fehr an Stärke und Intenfität zugenommen hat, fcheint mir letzten Endes ein Ausfluß diefer Begebungen zu fein, Die Liebe zur Sprache felbft hat dabei jedenfalls eine unbedeutende Rolle gefpielt _• Das Ziel wurde aber nicht erreicht. Nicht als ob der Weg, die Methode unbedingt falfch wäre,« nur in diefem Falle bei den Elementen, mit denen man zu tun hatte und deren Charakteriftik ich oben gegeben habe, war fie unangezeigt. Der Beweis dafür ift die allerdings kleine Zahl der außerordentlich begeifterten, durch und durch jüdifchen Jünglinge, die der Zeire-Zion-OrganiFation durch ihre fünfzehnjährige Arbeit zu verdanken find, eine Zahl aber, die im Verhältnis zu den paffiven Mitgliedern, den »Sackfchleppern«, von denen unfer Volk ganz gewiß nur fehr wenig haben wird, verfchwindend ift. Für die wenigen, wirklich fähigen und tüchtigen Mitglieder war die erwähnte Methode ein Anfporn zur Arbeit, ein Born, aus dem fie die Liebe zum Volke mit vollen Zügen fchöpfen, für das Gros war fie eine läftige Zugabe zur Schularbeit, der fie fich womöglich zu entziehen Füchten, und die eine Gefinnungsänderung keineswegs in ihnen hervorrufen konnte. Und daher waren die Erfolge der Arbeit im großen und ganzen nur unbedeutend,- es ftieg zwar die Zahl der Mitglieder der Organifation, es ftieg aber nicht die Intenfität der Arbeit und ihrer Erfolge. Man war fich deflen ganz gut bewußt und fuchte deshalb, durch verfchiedene Reformen diefe Mängel zu befeitigen. Da kam plötzlich die Pfadfinderidee in Europa auf, und ihre Anwendung auf jüdifche Verhälrnifle follte eine neue PhaFe in der galizifchen Jugendbewegung hervorrufen. Die Grundzüge des ScoutFyftems find ja bekannt Seine Vorzüge beliehen haupt~ Fächlich in der harmonilchen Verbindung der körperlichen und geiftigen Entwicklung, in der intenfiven Ausbildung des Allgemeirt^Menlchlichen, ohne dabei auf das nationale Ich zu verzichten, in der Veredelung der Gefühle, endlich durch den Treten Hinweis auf das Gute und Erhabene und die Aufmunterung zur Nach* ahmung desFelben. DieFe Vorzüge find es auch, die dieFer Idee rafch zum Siege verhalfen und die, der nationaleni Eigenart angepaßt, überall befruchtend wirkten. Lind fo ift die Idee auch in die dumpfen Gallen Galiziens gedrungen. Neben dem pölnifchen »Harcerz« (Pfadfinder) entlieht der »Haichomer«, der nach den erften Jahren unbeholfenen Herumtaftens, oft auch Fklavifcher Nachahmungen fremder Vorbilder in den letzten Zeiten dank der Vereinigung mit den Zeire^Zion, /eine endgültige jüdifche Form erhielt. Heute wird die gefamte Jugend Galiziens nach dem neuen Syftem organifiert. Ob der »Haichomer« zum Ziele führt, bleibt noch' abzuwarten. Jedenfalls ift er dazu mehr geeignet als die bisherige Arbeit Er Fucht gleichzeitig mit dem Juden den Menfchen in jedem zu wecken, den vollen moralifch^geFunden Menfchen. An Stelle der Fchwierigen, man könnte fagen ariftokratifchen Selbftbildungsmethode, führt er die verhältnismäßig leichte Gruppen^ arbeit ein, Das Verbindungslokal der Zeire-Zion glich einer Lehrftätte der Wiflenfchaft, wo fich der Tüchtige wohl fühlte, der minder Tüchtige erftickte. Das Heim der Schomrim*Zeire*Zion gleicht einer Kinderfchule, wo man von Anfang an leicht und angenehm erzogen wird, wo man die Welt und die Nation gleich kennen und gleich lieben lernt. Freilich, dem Tüchtigen wirds vielleicht zu eng ■werden;- er braucht aber nur einen Anfporn und kann dann allein arbeiten. Er wird uns nicht verloren gehen. Die Mafle aber mülfen wir uns erziehen und dürfen fie nicht aus der Hand lallen, denn fie ift zur Volksarbeit unbedingt noU . wendig. Dies ift der bisherige Entwicklungsgang der galizifchen Jugend zum jüdifchen und gleichzeitig zum edleren Leben. Leicht wird's ganz gewiß auch jetzt nicht werden, aus dieFer in vieler Hinficht verfteinerten Malte Funken der Begeifterung und der Opferfreudigkeit zu fchlagen. In vielen Hinfichten hat da der Krieg vor* gearbeitet; er hat viele Familien aus dem Schlafe geweckt und ihnen blutig be* wieFen, daß es höhere Werte zu verteidigen gibt als das tägliche Brot und das gemütliche Leben. Es gilt jetzt, nur energifth zuzugreifen und die erwachten Gefühle auf die rechte Bahn zu weifen. Und das werden die Führer der galizifchen Jugendbewegung hoffentlich tun. In diefem Falle wird Galizien in den nächften