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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 87

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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Berichte; OeTterreich 297 Landes Palältina nicht aufhören wird, ein Ideal zu fein. Denn im Zionismus, wie ich ihn verftehe, ift nicht nur das Streben nach einer rechtlich geficherten Schofle für unfer armes Volk enthalten, fondern auch das Streben nach fittlicher und geiftiger Vollendung. Wer alfo die jungen Seelen auf diefen Weg weift, verrichtet, wie ich meine, etwas Gutes. Mir liegen diefe Beftrebungen auch des« wegen am Herzen, weil ich felbft einen Sohn habe, der ein Tertianer ift. Euer Kamerad ift er, liebe Lefer diefes Blattes. Und wie ich ihn gern zu einem •braven Mann und guten Juden erwachfen fehen möchte, fo wunfehe ich Euren Vätern, daß fie es an Euch erleben mögen. Nehmt Euch zufammen, Jungens/ wir brauchen Euch, wir warten auf Euch. Übet nicht nur den Geift, fondern auch die Muskeln. Stark und aufrecht follt Ihr fein. Und lernen follt ihr mit Eifer und Begeifterung. Wir werden Eure Kraft wie Eure KenntnilTe brauchen. »Jüdenjungen«! das klang bisher verächtlich. Stellt es um, und es wird ein ftolzes Wort: »Junge Juden!« <— TertiäneFfeit Ihr heute. Ihr wißt Ichon, was im römifchen Heere die Triarier waren. Venit res ad Triarios. Unfere Triarier follt Ihr werden, darum feid Ihr unfere Hoffnung. »Es follte aber ganz anders kommen. Wien hatte acht Jahre fpäter ^eine gott* und menfchenverlalTene jüdifihe Jugend. Kein Akademiker, kein Zioniftenführer noch fonft Erwachfener kümmerte fich im geringften um diefe Jugend. Sie mochte heranwachfen wie fie wollte. Da taten fich denn die zwei Mittelfchülervereine »Chewra« und »Zion« zufammen, gewannen noch einen oder anderen Gleichgefinnten, machten das Teftament ihrer Vereine und befchloffen, zur Selbfthilfe zu Ichreiten. Wir älteren Schüler follten einfach den Jüngeren helfen und damit uns allen. Wir errichteten denn in meh^ reren Bezirken Wiens Jugendkurfe*), begannen auch bald zu wandern mit 4en Kursteilnehmern. Daraus entftand bald der Wiener Blau^Weiß, der Gefamt» bund Blauweiß, fchließlich auch die Verbindung mit der Schülerfchaft Weftofterreichs. Überdies widmete fich diefe aus obigen Schülern hervorgegangene Vereinigung fpäter a«sfchließlich jüdifcher Jugendarbeit. Wenn eine Generation von jüdifch-nationalen Akademikern und Zioniften^ führern, die noch unter dem perfönlichen Einflufle Herzl's ftand, in der Führertätigkeit erlahmte, wie follte die nachfolgende Jugend anders als revolutionierend felbfthelfend zum Lichte kommen? Schon zwei Jahre fpäter hat ein eigenartiger refoluter Neubruch aus der Wiener Külturbewegung, die jüdißh-nationale »Kameradfchaft Döbling« (ihr Gründer Hermann Graf, gafallen Juni 1917, enU Jtammte obigem Schülerkreife) ftattgefunden, der unter anderem die Juden aus der Jugendkulturbewegung gewinnen follte. Diefe Juden, die aus einem revolu* Monierenden Befreiungskampf heraus, wie es die Jugendkulturbewegung ist,- in wnseren Befreiungskampf der jüdifchen Jugend eintraten, felbft von Führer* fchaft zu Führerfchaft, zeigen deutlich, wie fehr gerade die jüdilche Schülerjugend aus völlig unbefriedigter, fchmerzvoller Situation heraus zur Selbfthilfe fenreitet. Es ift auch kein Zufall, daß die Wiener Jugendbewegung von jüdifch^deutfeher Jugend vorzüglich getragen wurde, die befonders empfindlich gegen das Unrecht und gegen die Ungeiftigkeit der heutigen Jugendfituation aufwallen konnten. III. Es darf alfo als feftftehend gelten, daß neben der allgemeinen pfychifchen Situa> tion der jüdifchen Jugend Öfterreichs vor allem ihre nationale Stellung zu eruptiven Bewegungen führen muß. Eine folche bereitet fich jetzt wieder vor. Diesmal wird fie ftärker und fchmerzvoller als je vorher fein. Es ift leicht mög* lieh, daß ganz große Entfcheidungen in Öfterreich bevorftehen. Die erften Anzeichen diefer Umwandlung find übrigens auch in anderen Ländern bemerkbar. Nirgends aber ift die nationale Lage der Jugend fo krifen* haft wie gerade in Öfterreich. Der allergrößte Teil diefer Jugend ift heute zio* •> Sie unterrichteten in Synagogen, Vereinslokalen, Gaftftübchen. Im erften Jahre 1912/13 wurden 8 Kurfe in 4 Bezirken Wiens abgehalten. Etwa fechzig jugendliche Kursteilnehmer waren durchfehnittlich von ihnen beeinflußt / fie er* teilten 135 Stunden im erften Jahre, von 1153 Befuchcrn gehört.

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