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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 77

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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Baer, Die Jugend und das neue Paläftina 287 sieht zu nehmen, wenn hier eine gerechte Gemeinschaft lebe. Die Frage so stellen heißt nämlich, das Streben nach gerechter Gemeinschaft verkennen. Denn die gerechte Gemeinschaft ist nichts, das nach bestimmtem Schema in allen Einzelheiten von vornherein eingesetzt wird, sondern ist ein Ziel, Endpunkt einer Entwicklung,- wer also die gerechte Gemeinschaft will, geht als jüdischer Mensch nach Palästina, um eben dort die wahre Gemeinschaft schaffen zu helfen, um dort an ihrem Aufbau mitzuarbeiten. Hieraus ergibt sich mit Deutlichkeit/ daß eine gerechte Ge^ meinschaft nur da entsteht, wo gerechte Menschen sie verwirklichen. Daher sind nicht: neue Formen, sondern neue Menschen die erste und wesentlichste Forderung für den Ausbau einer gerechten Ge^ meinschaft in Palästina, so daß letzten Endes die Verwirklichung dieses Zieles auch hier mit der Erziehung unserer Jugend zusammenhängt. Wie unser Nationalismus in seiner ersten Form kaum anderes war, als die Erkenntnis der äußeren Tatsache, ein Volk zu sein, ging die Erziehung bis kurz vor dem Krieg dementsprechend darauf aus, die Notwendigkeit der Konzentrierung des jüdischen Volkes in Palästina zu erweisen, und erst in der letzten Zeit mit dem wachsenden Zusammenhang zwischen Jugend und Land kam als letztes Ziel in der Erziehung die Forderung dazu, daß der einzelne nach Palästina hinübergehen mülTe, um dadurch für sich und das Volk die Frage zu lösen. Dieses Ziel ist jetzt wiederum Ausgangspunkt einer neuen Jugend. Für sie ist auch die Not^ wendigkeit der Liebersiedlung kein Problem mehr, sie sucht nur noch nach dem Wege, der am , besten nach Palästina führt. Wer die Verwirklichung der gerechten Gemeinschaft will, muß der Erziehung ein neues hinzufügen: er muß die Jugend lehren, daß mit der Übersiedlung noch nicht alles getan ist, daß es auch in Palästina noch gilt »Zionist« zu sein, und das die wahre jüdische Gemeinschaft dort eben nur durch gerechtes Leben verwirklicht werde, daß »Zion nur erlöst werde durch Gerechtigkeit«, daß aber dazu, zur Befreiung Zions, notwendig sei, daß jeder einzelne sich selbst befreie, indem er sich nicht nur äußerlich von Galuth losmachen, beim Übergang nach dem Orient, sondern auch: innerlich, wenn er wirklich den »Staub« Europas, das Unreine von sich abschüttelt und so in Palästina als neuer Mensch ein neues Leben beginnt, ein Leben der Gerechtigkeit. Der einzelne muß gerecht sein, so erfüllt er die Forderung der Propheten, die immer wieder verlangt haben, daß der Mensch es sei. Der einzelne muß "die Forderung für sich erfüllen, nicht kann es für ihn eine Befreiung davon geben, weil die Menschheit ungerecht, oder weil seine Gemeinschaft noch nicht gerecht ist,- ge* rade weil er die gerechte Gemeinschaft will, muß er mit sich selber beginnen,- von ihm aus entsteht erst die gerechte Gemeinschaft. Die Forderung nach Gerechtigkeit des Einzelmenschen trägt, ihren Wert in sich selbst, aber sie hat darüber hinausgehende Be^

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