Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Baer, Die Jugend und das neue Palästina sich vermißt, ohne Fachleute eine Gemeinschaft aufbauen zu wollen, aber alle Einzelarbeiten müssen unter einheitlichem Gesichtpunkt geleistet werden, jede Berufsarbeit muß dem Ziel dienen: die ge^ rechte Gemeinschaft zu verwirklichen. Dabei wird das Ergebnis der Arbeit dann am wertvollsten sein, wenn sie berüdtsichtigt, was schon heute in Palästina ah neuen Formen gerechter Gemeinschaft sich gebildet hat. An dieser Steife soll jedoch nur über die Frage als solche in ihrer allgemeinen Bedeutung für die Jugend gesprochen werden/ die Jugend soll aufhorchen und sich entscheiden! Die Schwierigkeiten des aufgestellten neuen Ziels sollen nicht verschwiegen werden: Palästina ist kein Irgendwoland, keine ein^- same Insel, kein unentdeckter Erdteil, kein anderer Planet, wie sonst Utopisten, die die Grundlage einer vollkommenen Gemeinfchaft darlegten, für ihr Staatswesen angenommen haben. Palästina ist als Teil unserer Erde auch kein leeres Land, in dem von Anfang an ein Staatswesen neu aufgerichtet werden könnte,« es ist nidit einmal ein von Juden leeres Land, so daß von Anbeginn an eine neue jüdische Gemeinschaft entstehen könnte. Lind es wird schließlich auch auf unabsehbare Zeit in einer Umwelt liegen, die ganz von kapitalistischer Gesinnung beseelt ist. Und schließlich ganz allgemein gesprochen: Das erreichte Ziel wird bei der Fortdauer der Generationen eines Volkes für die kommenden Generationen auch nur wieder ein Ausgangspunkt sein/ die Verwirklichung der Gerechtigkeit wird für diese noch weiter hinausliegen, und jeder neue schöpferische Mensch unseres Volkes wird mit seinem Erbgut — der Sehnsucht der jüdischen Seele nach Ver^ wirklichung der vollkommenen Gemeinschaft — von neuem nach Erfüllung der Gerechtigkeit streben. Aber diese Erkenntnis läßt den Einzelnen nicht resignieren, wenn er nicht wegen der Tatsache., Mensch zu sein, überhaupt resigniert,- mag er sich auch bewußt fein, daß seinem Streben keine Vollendung beschieden ist, wenn er nur die Verpflichtung in sich fühlt, zu tun, was er für Recht hält. Daraus ergibt sich aber zugleich für die Jugend die Entscheidung einer für sie unmittelbar praktischen Frage. Denn für alle diejenigen, die in Palästina die Aufrichtung einer gerechten Gemeinschaft verklangen, kann die Frage ihrer Stellung in dieser und zu dieser Ge^ meinschaft wohl so gestellt werden, ob sie in Palästina unter allen Umständen eine jüdische Gemeinschaft wünschen, gleichviel wie diese lebt, oder nur dann, wenn diese Gemeinschaft auch ein gerechtes Leben verwirklicht. Denn diese Frage kann nach dem Vorausgesagten leicht so beantwortet werden, daß ein nur äußerlich jüdisches Palästina noch nicht die Erfüllung wahrer jüdischer Sehn^ sucht sei. Nicht kann aber die Frage so aufgeworfen werden, ob der einzelne nur dann bereit sei, sich der neuen Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, seine Übersiedlung nach Palästina in Aus*