Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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288 Baer, Die Jugend und das neue Paläfttna -deutung: Die gerechte Gemeinschaft entsteht durch das Vorbild, durch das Beispiel der Gerechten. Wo ein Mensch in Wahrheit gerecht lebt, wo eine Gruppe .von Menschen es tut, wirken sie auf die Gemeinschaft. Leben ist Lehre, Leben ist mehr als Formen und Theorien, Leben ist alles!! Kleine Gruppen von ßarken Menschen, die nach Palästina gehen, schon hier vorbereitet auf ein gemeinschaftliches Leben dort, schon hier entschlossen, dort zusammen in gerechter Gemeinschaft zu leben, und die stark genug bleiben, es auszuführen, Sind der Beginn der gerechten Gemeinschaft des ganzen Volkes. Die Jugend die mit Stärke den Zionismus will, wird auch dies Ziel nicht für utopisch halten. Wie überhaupt bei jeder Idee, so auch beim Zionismus und seinem letzten Ziel kommt es lediglich auf die Menschen an: »Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen.« Wer starken Glaubens ist, von der Notwendigkeit seines Ziels durchdrungen, kennt kein Hindernis,- sein Wille zur Gerechtigkeit, tief in seiner jüdischen Seele verankert, weist ihm den Weg. Kann jemand, der überhaupt an die Verwirklichung der zionistischen Idee glaubt, an dieses ungeheure Beginnen, das seinesgleichen nicht hat, daran zweifeln, daß^die ungeheure Kraft, die nötig ist, die Idee durchzuführen, nicht auch stark genug i-st, einmal in Bewegung, weit über das äußere Ziel — das neue jüdische Gemeinwesen als solches — hinausführen, um so mehr, wenn starke eingeborene Antriebe wirksam sind und die Erkenntnis durchdringt, daß das Ziel ein im wahren Sinne nationales ist/ und die Bewegung nicht" beschwert, sondern beflügelt? Wenn oben gesagt ist, daß die Durchführung der gerechten Gemeinschaft eine Erziehungsfrage ist, so ist mit Bezug auf die Jugend, die bisher nach Palästina ging, und die heutige Hechaluzbewegung für-die Durchführung der gerechten Gemeinschaft günstiges zu erwarten. Die Jugend hat sich nicht nur soweit vom Materialismus entfernt, daß sie überhaupt Ideen stark zugänglich ist, sondern sie bemüht sich, das Ideal mit der ganzen Perfönlichkeit zu erfüllen, sie hat dem Materialismus soweit entsagt, daß sie sich auch von dem üblichen bürgerlichen Beruf, der Aussicht auf die Karriere in Europa, los machen und in Palästina die Gemeinschaff aufbauen helfen will. Eine Jugend, die so Ernst gemacht hat, wird imstande sein, die gerechte Gemeinschaft zu verwirklichen, und wird sich in den Gedanken daran, und im Leben nach der Idee, die wahres und ganzes Menschentum in sich schließt, wahrhaft auf Palästina vorbereiten. Lebt sie so, ganz der Idee hingegeben, treuster Diener am Licht, das den Geist bedeutet, der doch letzten Endes die Welt formen muß, wenn sie überhaupt einen Sinn haben foll, dann lebt sie im Sinne der Propheten, die von der Idee, von Geist getrieben, unbekümmert um äußere Verhältnisse ihre nationale und menschliche Forderung verkündeten und