Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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285 tums, unseres eigenen, eigensten Wesens bewußt zu werden und wir beginnen zu erkennenwir sind nidit ein Volk wie andere Völker. * Dies sucht unsere Jugend immer mehr zu ergründen und ihr Suchen führt sie zu unserem Buch, zum Buch der Bücher, der Bibel zurück. Ungeahnte Schönheiten werden uns lebendig und neue Erkenntnisse für unser jüdisches Leben, für Gegenwart und Zukunft ergeben sich aus der Beschäftigung mit ihr,- befonders mit den Propheten. Aber doch nicht so wie für die nicht nationalen Juden. Für sie sind die Propheten die »Urkosmopoliten«, die hinausweisen über die »engen Schranken« des Nationalismus,- für sie ist nur be^ detitungsvoll das Aflmenschliche, losgelöst vom Boden des Nationalen. Wir finden in den Propheten das starke Bekenntnis zum Volkstum, zur jüdisdien Gemeinschaft auf jüdischem Boden, aber das Bekenntnis zu einem Volkstum eigenster Art, dazu auserwähft und bestimmt, durch das Leben des einzelnen — in Bewährung dieses Lebens in der Gemeinschaft — und durch die Gemeinschaft als solche Vorbild zu sein für die größere menschliche Gemeinschaft. So kehren wir im Sinne der Propheten zu Menschentum und Menschheit als dem umfassendsten größten zurüdt, aber nicht mehr losgelöst vom Mutterboden unserer volklichen Gemeinschaft, sondern fest in ihm verwurzelt. Auf diesem unseren Boden wollen wir ein Volk sein, als solches leben wie andere Völker, eben auf eigenem Boden, aber mit all dem Besonderen, was uns als Volk auszeichnet, als Volk mit der Aufgabe, die uns gestellt ist: wir wollen eine »gerechte Gemeinschaft« bilden als Vorbild und zur Erhöhung für die Menschheit. Die »gerechte Gemeinschaft« gilt es zu verwirklichen. Soll in Wahrheit »die Lehre von Zion ausgehen und das Wort Gotter. von Jerusalem«, so müssen wir ein anderes Lebens führen, als dk; Welt es jezt lebt. Die Vorherrschaft des Materialismus muß beseitigt werden, und in gegenseitiger Hilfe muß der Mitmensch dem Bruder zur Seite stehen. Damit ist nur allgemeines über die gerechte Gemeinschaft ge^ sagt: Gewiß wird es darauf ankommen, auch die Formen der Organisat'on dieser Gemeinschaft näher zu bestimmen und zu sagen, wie sie verwirklicht werden kann. Die Jugend wird hierbei sogar eine besondere Aufgabe haben: intensivste Beschäftigung mit allen Fragen menschJidien Zusammenlebens, gewiß keine leichte Aufgabe und nicht in Kürze zu lösen, aber des hohen Zieles wert. Für den zionistischen Menschen jeden Berufes erwächst — besonders für den Jugendlichen — dadurch die Möglichkeit, seine Berufsarbeit in den Dienst unserer Sache zu stellen, indem er grundlegende Fragen bearbeitet, die für den Aufbau der neuen Gemeinschaft verwertet werden können. Hiermit ist gesagt, daß nicht blos Schwärmerei