Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Baer, Die Jugend und das neue Paläftina wo die Kartoffeln liegen, looker und nimmt dabei das Unkraut mit heraus und tut es in den Eimer. Und wenn der Eimer voll ift, fo trägt, man ihn an die Miftgrube und fchüttet es hinein. Leipzig, den 20. Juni 1918 Icfi habe heute Radiesdien und Salat geerntet. Dann habe ich mein Beet gelockert. Da habe ich viel Unkraut gefunden. Ich habe auch zwei Tomaten auf meinem Beet. Diefe Tomaten hat mir unfere Gartenlehrerin eingepflanzt. Man macht ein Loch, hält die Tomatenpflanze hinein, fchüttet die Erde auf die Wurzel, und wenn die Wurzel feft in dem Loch ift, drückt man es mit zwei Fingern und macht einen Giesring. Mein Mangold ift fchon drei Centimeter hoch. Nachher ging ich auf unfer Kartoffelland, um Kartoffeln zu hacken. Aber ich habe heute bloß eine Reihe fertig gebracht. Fräulein Bambus hat zwei Fuchfien auf der Hütte aufgeftellt. Leipzig, den 21. Juni 1918 Heute habe ich von Fräulein Bambus Krefle gefchenkt bekommen, da ich für Fräulein Bambus zehn weiße und dunkelblaue Stiefmütterchen gepflückt habe. Und nachher ging ich an zehn Kinderbeete und pflückte zwölf Taufendfchönchen ab. Nachher ging ich auf unfer Kartoffelland nnd hackte eine Zeife Kartoffel«. Dann ging ich nach Haufe. Leipzig, den 7. Juli 1918 Fräulein Bambus hat mich meine Kartoffeln häufeln laflen. Heute habe ich rote Rüben gepflanzt. Es wird fo gemacht: man nimmt eine Roterüben pflanze,, feckt fie in ein Loch, drückt hinten dagegen, gießt das Loch mit Wafler und fchüttet es zu. Vorher aber habe ich gejaucht. Heute war Elternbefuch, meine Mutter war auch da. DIE JUGEND UND DAS NEUE PALÄSTINA. Unsere jüdische Lebenskraft wehrte sich gegen den Kosmos politismus, als dieser die Auflösung des Judentums zur Folge hatte. Unser inftinktiver Wille zum jüdischen Leben suchte nach einer Form, in der wir als Juden weiter leben konnten und wir fanden den Nationalismus. Wir übernahmen diese Gemeinschaftsform, wie wir sie bei den Völkern um uns vorfanden. Da wir sahen, daß diese durch den Nationalismus stark wurden, glaubten wir, auch für uns darin einen Halt zu finden, daß wir »ein Volk wie andere Völker wurden«. Und so schufen wir eine Schale für den Kern, Erft als wir so neuen Schutz hatten, als wir so jüdisch gefestigt waren, konnten wir von der Schale zum Kern vordringen. War vorher unsere Beschäftigung mit Jüdischem dazu bestimmt, den Willen zum »Nationalismus« zu stärken, lernten wir zuerst jüdische Geschichte und Hebräisch, weil eben es unsere Geschichte und Sprache war, so kamen wir jetzt dazu, in alledem nicht mehr die Begründung dafür zu suchen, daß wir ein Volk wie die anderen se*en, sondern vielmehr uns durch Geschichte und Sprache des Wesens des Juden---